Die etwas andere Sicht… 2018-06-18T16:09:17+00:00

Die etwas andere Sicht der Dinge

Diesen Mono(B)log führe ich mehr oder weniger (eher weniger) regelmäßig. Ich gebe Gedanken und Erlebnisse aus dem Unternehmensalltag sowie Geschichten aus dem Nähkästchen zum Besten. Außerdem blicke ich hin und wieder zurück und vergleiche – früher zu heute. Aber auch Dinge aus dem aktuellen Geschehen greife ich auf. Die Ausführungen spiegeln ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und erheben KEINEN Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch :-).

Die Leser haben keine direkte Möglichkeit auf einzelne Einträge zu antworten. Wer unbedingt seinen Senf dazugeben will, kann das unter »tagebuch [at] werkstation.de« gerne tun. Allerdings behalte ich mir vor, Inhalte dieser Mails zu ignorieren oder zu zitieren.

07.03.2012 – Vielleicht

März 7th, 2012|

Wir haben heute eine Ausschreibung von einem Transport- und Logistikunternehmen bekommen. Die wollen GAAANZ viele Terminals kaufen. Und wie immer, sind da GAAANZ viele Zusatzpapiere (Verträge und Geheimhaltungsvereinbarungen) dabei. Insgesamt ca. (gefühlte) 50.000 Seiten :-).


Das ist ja grundsätzlich alles i.O. – aber wenn man sich diese ganzen Papiere durchliest (was ich inzwischen nicht mehr mache), dann beschleicht einen schon das Gefühl, dass die Sklaverei wieder eingeführt werden soll. Denn – ich habe u.a. den folgenden (wunderschönen) Satz in der Ausschreibung gefunden. Dort heißt es: “Im Zuge des Projektverlaufs ist es vorgesehen, eine Pilotierung der Hardware vorzunehmen. Hierzu benötigen wir ein KOSTENFREIES Leihgerät für den Pilotierungszeitraum. Für etwaige Beschädigungen die aus dem Hardwaretest entstehen könnten, übernehmen wir keine Haftung”.


Ich habe natürlich sofort in die Tasten gegriffen und dem Einkauf (sinngemäß) folgende Mail geschrieben:

»Liebes Transport- und Logistikunternehmen,

wir beabsichtigen VIELLEICHT in nächsten Jahr ganz oft von Stuttgart nach Hannover zu fahren. Um hier jedoch eine Entscheidung treffen zu können, benötigen meine Mitarbeiter und ich für einen Pilotierungszeitraum kostenlose Testfahren. Für etwaige Beschädigungen die meine Mitarbeiter während der Testfahrten verursachen, übernehmen wir keine Haftung.«

Hat leider nicht geklappt :-(. Aber der Einkauf hat sich tatsächlich gemeldet und mir wurde lapidar mitgeteilt, dass ich da wohl etwas falsch verstanden hätte. Mist – mein Plan ist also nicht aufgegangen. Und ich hatte schon davon geträumt, dass meine Mitarbeiter und ich ein paar Jahre kostenlos zur Cebit fahren können 🙂


Wir sind grundsätzlich GERNE bereit eine gute Lösung für den Kunden zu finden – und das tun wir i.d.R. auch :-). Wir sind auch gerne bereit finanzielle Abstriche zu machen oder etwaige Entwicklungskosten auf einen späteren Auftrag anzurechnen. Aber was um alles in der Welt denkt sich ein so großes Unternehmen bei solchen Anfragen? Halten die sich für besonders privilegiert? Aus diesem Grund beteiligen wir uns schon lange nicht mehr an solchen Ausschreibungen.


Dass es auch anders geht, habe ich in vielen anderen Projekten erfahren. Denn es gibt durchaus noch Kunden, die bereit sind für eine gute Lösung auch Geld in die Hand zu nehmen. Und das halte ich (gerade auch beim Umgang zwischen kleinen und großen Unternehmen) für fair! Und das ist die Basis dafür, dass es die ‘Kleinen’ auch in ein paar Jahren noch gibt.

P.S.: Typisch Einkauf ist wohl auch, dass in der Mail (im CC) ALLE! Mitbewerber aufgeführt waren. D.h. ich konnte genau sehen, an wen die Mail noch gegangen ist. Ich glaube das ist Absicht – damit wollen die uns Anbieter aufeinander hetzen und gegeneinander aufstacheln. Wie stümperhaft!

10.02.2012 – Drei Kategorien

Februar 10th, 2012|

Zwischen Abitur und Studium habe ich bei einem großen Energiekonzern als Aushilfe gearbeitet. Ich wurde zu einem sehr eigenwilligen Mitarbeiter der mittleren Managementebene ins Büro gesteckt. Seine erste Amtshandlung in unserer Zusammenarbeit war mir zu erklären, welche Arten von Menschen es im Unternehmen gibt. “Es gibt Dackel, Psychopaten und solche die Einfluss auf meinen Gehalt haben” sagte er. “Und genau so muss man sie auch behandeln”.


Ich war – neben anderen Hilfstätigkeiten – auch seine ‘Telefondame’ und hatte also die Aufgabe, ihm die Dackel und die Psychopaten vom Hals zu halten. Diejenigen aber, die Einfluss auf seinen Gehalt hatten, musste ich sehr bevorzugt behandeln! Er hat zu mir gesagt: “Herr Nägele – wenn sie das Telefon abnehmen, dann wiederholen Sie laut den Namen des Anrufers und schauen zu mir”.”Wenn ich nicke, dann stellen Sie in zu mir durch – wenn ich aber mit dem Kopf schüttele (wenn also ein Dackel oder Psychopath am anderen Ende der Leitung war :-), dann sagen sie einfach, dass ich nicht da bin”.


Ich habe sehr schnell festgestellt, dass es ungleich mehr Dackel und Psychopaten als Gehaltsbeeinflusser im Unternehmen gab. Dies hatte zur Folge, dass ich quasi den ganzen Tag gelogen habe. Das habe ich auch getan – und zwar genau drei Tage lang. Dann aber hat mich mein schlechtes Gewissen gepackt und ich habe meinen Chef zum Gespräch gebeten. Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich zukünftig nicht mehr lügen würde – aber er hat mir nicht geglaubt und weiter auf die (für ihn bewährte) Vorgehensweise bestanden. Nachdem ich ihn aber ein paar Mal ins Messer habe laufen lassen (und er es satt hatte, ständig mit Dackeln und Psychopathen zu telefonieren), hat er mich zum Gespräch gebeten – und es kam zum Machtkampf – den ich gewonnen habe. Ich habe ihm nämlich mitgeteilt, dass er mich dann entlassen müsse – mit der Begründung, dass ich NICHT lügen wolle. Und das war sogar ihm nicht ganz einleuchtend :-).


Ich habe ihm denn folgenden ‘Kompromiss’ vorgeschlagen: Direkt neben dem Schreibtisch meines Chefs stand ein großer Schrank. Und dahinter sollte er sich immer dann verdrücken, wenn ein Mensch der Kategorie ‘Dackel’ oder ‘Psychopath’ anrief. Ich nannte also laut den Namen und er stand auf und ging hinter den Schrank. Dann konnte ich wahrheitsgemäß sagen: “Ich sehe Herrn H. gerade nicht – kann ich ihm was ausrichten?”. Damit haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: ich musste nicht mehr lügen – und er konnte etwas für seine Fitness tun. Denn bewegt hat er sich ab da schon sehr viel 🙂


Wir haben übrigens noch mehr als drei Jahr GUT zusammengearbeitet und irgendwie hat ihn meine Sturheit wohl auch beeindruckt – denn gleich nach dieser Aktion hat er mir das Du angeboten. Aber damals habe ich für mich beschlossen, dass ich NIEMALS in einem Großkonzern arbeiten möchte! 🙂

23.01.2012 – Hunger

Januar 23rd, 2012|

Ich sitze auf meinem ‘Chefsessel’ und schaue auf die Uhr – es ist kurz vor 12:00 Uhr. Der Blick auf die Tageskarte des kleinen Restaurants um die Ecke zeigt mir: Heute gibt es Käsespätzle. Eigentlich ganz lecker – aber halt nur eigentlich. Denn ich verspüre keinen wirklichen Hunger. Es ist mehr zur Routine geworden – und die heißt: 12:00 Uhr : Nahrungsaufnahme! Meine Gedanken schweifen ab – und ich erinnere mich an meine Kindheit.


Mein Vater hatte einen kleinen Handwerkerbetrieb – er war Fliesenlegermeister. In dem Dorf aus dem ich komme und in den Dörfern rund herum war klar: wenn es für einen Fliesenleger etwas zu tun gab, dann holte man meinen Vater. In den Ferien und meist auch samstags (ja – damals war der Samstag zumindest noch ein halber Arbeitstag!) ‘durfte’ ich mit. Und weil die Dörfer nicht weit auseinander lagen, konnten wir meistens zum Essen nach Hause – zu Mama. Was für eine schöne Erinnerung!


Spätestens gegen 11:00 Uhr war es dann soweit. Ich bekam ‘schrecklichen’ Hunger. Und ich habe mir dann immer überlegt, was die Mama wohl gekocht hat. Das Knurren meines Magens kann ich mir noch genau vorstellen – und es kribbelt noch heute wenn ich daran denke. Zur Mittagszeit – und zuhause angekommen – atmete ich schon an der Haustüre tief ein – ich versuchte herauszufinden was wohl auf dem Herd stand. Meine Mama kochte hervorragend – aber ich muss trotzdem zugeben: das Essen war nicht immer nach meinem Geschmack. Aber mein großer Hunger machte mich weniger wählerisch. Es gab auch nicht jeden Tag Fleisch. Dafür aber war meine Freude umso größer, wenn es dann doch Spätzle, Soße und ein schönes Stück Fleisch gab. Und wie heute weiß ich noch, mit welchem Genuss ich dann gegessen habe – das war eine echte Freude und hatte jedes Mal etwas von einem Fest.


Und heute? Tja – heute schaue ich auf die Uhr – es geht ins Restaurant oder in die Kantine. Ich kann wählen zwischen mind. 10 Gerichten und – auch wenn es lecker schmeckt – es ist nicht so wie früher. Schade eigentlich – und irgendwie vermisse ich das.

10.01.2012 – Insidergeschäfte

Januar 10th, 2012|

Vor ca. 3 Jahren rief mich ein Mitarbeiter eines großen Telekommunikationsunternehmens aus München an. Er teilte mir mit, dass er aus einem Projekt noch zwei – für damalige Verhältnisse – riesengroße TFT-Displays (65″) ‘übrig’ hätte und diese gerne verkaufen möchte. Mehrere Versuche die Displays selbst zu veräußern waren wohl gescheitert. Der Straßenpreis für so ein Gerät lag damals bei ca. 6.500 Euro – er hat mir die Teile für 2.000 Euro angeboten (die mussten wohl dringend weg). Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich zwar keine Interesse an einem Kauf hätte – mir aber vorstellen könnte, dass ich die Displays bei meinem nächsten Newsletter zu einem Preis von 5.500 Euro anbieten würde. Er zeigte sich erfreut und ich dachte so bei mir: »Nägele – Du hast nichts zu verlieren. Aber die Teile kauft sowieso kein Schwein«. So zumindest dachte ich…


Ich habe also den Newsletter fertig gemacht und verschickt. Und – wie es der Zufall so will, klingelte (keine 2 Stunden nach dem Versand) mein Telefon. Der Mann am anderen Ende teilte mir mit, dass er Interesse am Kauf hätte und ich habe ihm ein Angebot gemacht. 20 Minuten später hatte ich die Bestellung auf dem Tisch. Bis hierher eigentlich nichts Ungewöhnliches. Bis hierher. Aber jetzt passen Sie mal Achtung :-).


Ich greife also zum Hörer, rufe den Verkäufer an und teile ihm mit, dass ich ‘seine’ Displays verkauft habe. Die Bestellung legte ich ihm auch aufs Fax. Er fragte mich noch nach der Lieferadresse, damit er den Versand veranlassen könne. Ich hab ihm dann gesagt (ungelogen und wortwörtlich): »Herr G… – stehen Sie bitte von Ihrem Stuhl auf, gehen Sie aus dem Zimmer und dann zwei Türen weiter. Dort fragen Sie einfach nach Ihrem Kollegen Herr L… und da können Sie die Monitore auch hin liefern«. Ja – ein Kollege von dem Verkäufer hatte die Displays tatsächlich erworben :-). Ich habe flugs die Rechnung über 11.500 Euro geschrieben (natürlich habe ich den Versand extra mit jeweils 250 Euro berechnet) – eine Rechnung über 4.000 Euro erhalten und sonst hatte ich NICHTS mit der Sache zu tun.


Das nenne ich mal ein ‘echtes’ Insidergeschäft! Im Nachhinein habe ich erfahren, dass die beiden sogar eine Fahrgemeinschaft hatten und quasi JEDEN Tag miteinander zur Arbeit gefahren sind. Keine Ahnung über was die da gesprochen haben – aber sicher nicht über ihre Arbeit. Warum auch? Und wenn ich so darüber nachdenke, dann kommt es mir wieder in den Sinn: Großkonzerne sind manchmal schon eine feine Sache. Aber halt nur manchmal 😉