6 06, 2018

Doch, das geht!

2019-09-04T12:08:53+02:00

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Ein junger Mann – so um die 25 – kommt zu mir. Er bittet mich um einen Rat für seine ‘Geschäftsidee’. Er nennt mir die folgenden Eckpunkte. Er sagt: “Ich habe keine wirkliche Geschäftsidee – ich möchte jetzt einfach mal starten”. Außerdem sagt er: “Ich habe kein Startkapital, meine Mitarbeiter sind nicht wirklich qualifiziert für den Job”. “Aber”, so schließt er seine Ausführungen ab, “jetzt mieten wir uns mal ein Gebäude und dann wird sich der Rest schon ergeben”. Seine Augen strahlen.

Ich habe ja nun schon vieles gehört. Aber so ein Schwachsinn ist mir noch nicht untergekommen. Ich frage ihn: “Welche Ausbildung haben Deine Mitarbeiter”? “Nun”, erklärt er mir stolz, “Ich bin gelernter Bundespolizist, mein zukünftiger Controller ist ein ehemaliger Richter und Staatsanwalt, meine Assistentin ist gelernte Zahnarzthelferin, dann ist da noch ein KfZ-Elektroniker mit Schwerbehinderten- ausweis, mein zukünftiger EDV-Mann hat nach der 8. Klasse die Schule abgebrochen, und ein weiterer Kollege hat gar keine Ausbildung”. “Aber”, so fügt er an, “der kann dann eine Ausbildung bei uns machen”. “Was für ein Vollidiot”, denke ich bei mir. “Der hat null Ahnung, null Erfahrung und keinen Plan”. “Das klappt niemals”.

Hat aber geklappt und ist genau so passiert. Und der Vollidiot bin ich. Ich, der Chef der Werkstation. Ehemaliger Bulle und blauäugiger Träumer. Ich hatte eine verrückte Idee – und die lautete: “Ich will etwas bewegen – ich will eine eigene Firma haben und Chef sein”!

Die Geschichte ist schnell erzählt: Ich habe angefangen Terminals zu bauen. Dabei habe ich mich verschuldet. Also wirklich hoch verschuldet! Ich habe Fehler gemacht. Persönlich und wirklich JEDEN! Fehler, den man machen kann. Ich bin mehrfach und mit wehenden Fahnen gescheitert, habe falsche Entscheidungen getroffen und den falschen Menschen vertraut. Aber – ich habe immer an mich geglaubt. Bin immer wieder aufgestanden. Und zwar mindestens einmal mehr als ich hingefallen bin.

Heute – ca. 25 Jahre später – ergibt sich folgendes Bild. Die Werkstation hat einen guten Ruf und extrem kompetente Mitarbeiter (die meisten sind seit über 20 Jahren dabei). Wir haben viel gelernt. Wir haben wirklich Spaß bei dem was wir tun – und wir lachen viel. Wir haben geniale und besondere Produkte. Wir kommen gerne zur Arbeit. (Fast) jeden Tag. Die Werkstation ist wirklich etwas besonderes – was vielleicht auch dran liegt, dass die ‘Geburt’ lange gedauert hat und nicht einfach war.

Und dafür bin ich dankbar – wirklich sehr dankbar. Und heute kann ich sagen: Auch wenn es gegen jede Logik ist – aber “Doch, das geht!”

Doch, das geht!2019-09-04T12:08:53+02:00
12 07, 2016

Wahr-Sager

2019-09-04T12:08:53+02:00

“Wie sind ihre Verkaufszahlen für das nächste Jahr?”, fragt mich der Vertriebsmitarbeiter eines Zulieferers. An seinem Blick sehe ich, dass er das ernst meint. “Woher soll ich das denn wissen?”, denke ich und sage das auch. Der dann folgende Gesichtsausdruck meines Gegenübers zeigt mir, dass das wohl nicht exakt dem entspricht, was er als Antwort erwartet hat. Er wartet und schaut mich erwartungsvoll an.

“Mein Chef will von mir einen Forecast für das nächste Jahr – damit er planen kann”, startet er einen neuen Versuch. Ich bleibe stumm – und denke nach. Was genau will der junge Mann von mir? Bin ich etwa ein Vorher-Sager? Ich hole tief Luft und dann sage ich: “Dann ist das wohl das Problem Deines Chefs”. Und weiter sage ich: “…und ich glaube nicht, dass Dein Chef das zu meinem Problem machen kann”.

Wahr-Sager und Vorher-Sager. Das haben wir eine ganze Menge in der Wirtschaft. Und fast immer liegen sie falsch. Forecast – Vorhersage – Kaffeesatzleserei. Wie im Mittelalter – Glaskugel lesen. Druck aufbauen – Angst schüren – Versagen provozieren. Das war schon immer auch ein probates Mittel der Kirchen im Mittelalter – und ist es heute noch. Um die Schäfchen unter Druck zu halten. Unten zu halten.

Ich denke aber, das ist einer der Gründe, warum wir in unserer heutigen Zeit immer mehr psychische Erkrankungen haben. Mit Sorge beobachte ich dieses Phänomen. Menschen kommen unter Druck – Menschen leiden und er-leiden Schiffbruch. Weil Ziele nicht erreicht werden. Weil Ziele – sobald sie erreicht sind – weiter nach oben geschraubt werden. Immer mehr – immer schneller – immer höher. Das macht müde, krank und das ist nicht Art-gerecht. Und es erinnert mich an die Karotte vor dem Esel. Scheinbar erreichbar – tatsächlich unerreichbar. Aber immer vor Augen…

Ich habe auch Ziele. Jeden Morgen. Ich nehme mir beim Aufstehen immer wieder vor, mein Bestes zu geben. Ich gebe auch mein Bestes. Und manchmal ist mein Bestes auch sehr gut – also ausreichend. Aber es gibt auch Tage, da ist mein Bestes gar nicht gut – also ungenügend. Ich bin ein Mensch – mal gut, mal weniger gut. Diese Erkenntnis nimmt mir den Druck. Macht mich frei. Und – ganz nebenbei – ist das Wissen um diese Schwankungen eine gute Erkenntnis für mein ganzes Leben. Es macht mich barmherzig, weitherzig – im Umgang mit meinen Mitmenschen – aber auch mit mir und meiner menschlichen Fehlbarkeit.

Wahr-Sager2019-09-04T12:08:53+02:00
4 01, 2016

Auf dass wir klug werden

2019-09-04T12:08:53+02:00

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Die Stimme am anderen Ende der Leitung klingt gehetzt. Es ist einer unserer Lieferanten. Er gibt alles. Immer! „Noch vier Jahre Vollgas – dann geht’s ab in die Rente“, sagt er oft. Ich kenne ihn schon lange und weiß um seinen Gesundheitszustand. Vor einiger Zeit lag er im Krankenhaus. Herzprobleme – ganz massiv. Sie haben ihm irgendwas ‚eingebaut‘ – zur Unterstützung. Doch bereits im Krankenhaus hat er seine Arbeit wieder aufgenommen. Heute – durch die neuen Medien – problemlos möglich.

Weiter – immer weiter. Und wenn es ein Problem gibt, wird nicht etwa das Tempo reduziert, sondern die ‚Maschine‘ wird frisiert, um das Tempo weiter halten zu können. Durch Medikament oder mit Hilfe der Technik. Was auch meist gelingt – zumindest kurzfristig.

Weiter – immer weiter. So denken viele Menschen und so hat auch meine Mutter gedacht. „Wenn wir in Rente sind, DANN lassen wir es uns gut gehen und machen all die Dinge, zu denen wir jetzt keine Zeit haben“, so war ihr Wunsch. Leider wurde daraus nichts. Mit 60 Jahren – und somit viel zu früh – ist sie verstorben.

Weiter – immer weiter. Das ist gegen das Leben gedacht und das selbige nach hinten geschoben. Es wird vergessen und verleugnet, dass das Leben heute, im Hier und Jetzt passiert. Und das ist dumm. Denn dumm ist, der Dummes tut – oder eben auch Kluges unterlässt. Mir kommt da eine Geschichte aus der Bibel in den Sinn:

Lukas 12, 16 – 20: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?

Auch mir passiert das. Immer wieder. Ich lasse mich hetzen – oder hetze mich selbst. Überschreite meine Grenzen. Plane und denke das Morgen – ohne das Heute zu leben. Und dabei ist es doch klar und logisch formuliert: Psalm 90, 12: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden! Ich wünsche mir, dass ich klüger werde. Jeden Tag ein bisschen mehr…

Auf dass wir klug werden2019-09-04T12:08:53+02:00
10 10, 2015

Geblieben ist Zuversicht

2019-09-04T12:08:53+02:00

Uli ist gestorben – heute Nachmittag. Gestern Nacht habe ich ihn noch besucht, meinen Freund. Uli war 50 Jahre alt – nur ein paar Wochen älter als ich. Er war ein Macher. Ein Anpacker. Geschäftsführer einer großen Bäckereikette. Dann der Börsengang. Erfolgreich. Aber Uli war auch bodenständig und klug. Hat zum richtigen Zeitpunkt wieder verkauft.

Es folgt ein Termin beim Arzt. “Legen Sie ihr Handy mal beiseite”, sagt der Arzt nach der Computertomographie, “Sie werden das jetzt mal eine Weile nicht brauchen”. Diagnose: Hirntumor.

Uli war ein Kämpfer. Weit mehr als 10 Jahre hat er dem Leben noch abgerungen. Viele Höhen und Tiefen durchlebt. Hoffen und Bangen. Und seine Frau immer tapfer an seiner Seite. Dann wurde es schlagartig schlechter. Lähmungserscheinungen – Sprachschwierigkeiten. Ich stehe hilflos da – besuche ihn seltener. Kann nur schwer damit umgehen. Bin ratlos. Traurig. Uli tröstet mich. Er mich! Er steht seinen Mann. Wie im Leben, so auch im Sterben. Er jammert nicht. Er lamentiert nicht.

“Uli geht es ganz schlecht – er muss gehen – schon sehr bald”, sagt man mir gestern. Ich fahre zu ihm. Er liegt im Bett. Im Wohnzimmer und inmitten seiner Familie und seiner Freunde. Das hat er sich so gewünscht. Uli ist nicht mehr bei sich. Er atmet schnell und flach. Ich streichle sein Gesicht, halte seine Hand. Ich weine – fühle mich hilflos.

Eine WhatsApp-Nachricht erreicht mich bei der Gartenarbeit. “Uli ist gestorben” steht da. Mehr nicht – aber auch nicht weniger. Ich setze mich ins Auto – will zu ihm fahren. Ich drehe wieder um. Nur langsam kommt diese Nachricht bei mir an. Im Herzen. Es berührt mich. Mehr als ich dachte.

Uli hat immer wieder gesagt: “Ich freue mich darauf – wenn ich heim gehen darf zu Gott”. Und dann sagte er noch: “Ich wünsche mir sehr, dass es sich nicht lange hin zieht”.

Uli ist jetzt daheim. Bei Gott. Im Himmel. Uli ist nicht mehr da. Er fehlt mir. Sehr. Was bleibt ist die Erinnerung – an ihn und an seine Zuversicht!

Geblieben ist Zuversicht2019-09-04T12:08:53+02:00
10 09, 2015

Grenzen an sich

2019-09-04T12:08:53+02:00

In regelmäßigen Abständen bekomme ich die immer gleichen Anrufe. “Wir können Ihren Umsatz steigern. Sogar verdoppeln”, heißt es da. Optimistisch und nachdrücklich. Aber das will ich gar nicht. Und die Menschen am anderen Ende können (oder wollen?) das nicht glauben. “Ich bin zufrieden mit dem was ist”, sage ich dann. Ich will und ich KANN nicht noch mehr bewältigen. Denn – eine Steigerung geht immer einher mit der Erhöhung des Einsatzes. Dieser Einsatz ist Lebenszeit, Gesundheit und damit auch ein Stück Freiheit.  Und ich bin nicht (mehr) bereit, diesen Einsatz zu erbringen.

Die Werkstation ist ein kleines – aber feines Unternehmen. Die Produktion ist ausgelagert. Und ich genieße es sehr, dass wir so überschaubar und doch so schlagkräftig sind. Auch unsere Kunden wissen das zu schätzen. Immer mehr.

Ich habe erkannt, dass ich Grenzen habe. Ich anerkenne diese Grenzen. Und ich merke, dass mir das gut tut. Denn Grenzen an sich sind nichts Schlechtes. Sie bewahren vor Überforderung, vor Übermut und vor so manchem Schaden. Ich habe lange gebraucht dies zu erkennen. Habe meine Grenzen oft überschritten. Und jedes mal habe ich einen Preis dafür bezahlt. Gesundheitlich, finanziell oder familiär.

Lange habe ich damit gehadert. Andere können mehr – sind leistungsfähiger – erfolgreicher. Das muss ich doch auch schaffen! Aber ich habe dabei übersehen, dass jeder Mensch seine eigenen Grenzen hat. Und bei jedem Menschen verlaufen sie anders. Mal weiter – mal enger. Und meine Grenzen verlaufen so, dass sie – wenn ich sie achte – genau für mich und mein Leben passend und gut sind. Und ich merke, dass es  innerhalb meiner Grenzen noch viel Raum für Entwicklung gibt. Entwicklung die weiter bringt, zu mir passt und die mir und meinem Leben gut tut.

Es gelingt mir nicht immer – aber immer öfter. Meine Grenzen zu sehen, zu akzeptieren und nicht zu überschreiten…

Grenzen an sich2019-09-04T12:08:53+02:00
16 08, 2015

Gut oder genial?

2019-09-04T12:08:53+02:00

Gute Chefs bauen gerne und verkaufen gewinnbringend. Geniale Chefs wollen eine Gemeinschaft bauen, die gut funktioniert. Mit erfüllten und geeinten Mitarbeitern, die gerne bauen und wunderbare Dinge gewinnbringend verkaufen.

Guten Chefs geht es vor allem um Produkt und Profit. Genialen um Menschen, um das Team, darum eine Kultur zu schaffen. Werte zu setzen, wonach die Kultur sich richtet. Sie glauben, dass gute Produkte und Profit daraus entstehen und nachhaltig über Generationen hinweg weiterfließen. Der geniale Chef kümmert sich mehr um die Menschen als um die Sache. Sein Hauptaugenmerk liegt also darauf, den Visionstank seiner Mitarbeiter zu füllen. Er will eine Einheit schaffen und erhalten. Er will motivieren und begeistern.

Ich wünsche mir sehr, dass ich ein genialer Chef bin – aber das bin ich wahrlich nicht immer. Und doch bin ich guter Hoffnung, dass es mir jeden Tag ein Stück weit mehr gelingt…

Gut oder genial?2019-09-04T12:08:53+02:00
16 04, 2015

Die wahren Luxüsse…

2019-09-04T12:08:54+02:00

Früher dachte ich: Luxus hat etwas mit Geld und Besitz zu tun. Heute sehe ich das anders. Luxus ist Lebensqualität. Und ich stelle fest, dass ich da ein gesegneter Mensch bin. Denn es gibt viele Luxüsse (ist das eigentlich der Plural von Luxus? :-) ) in meinem Leben die ich inzwischen SEHR zu schätzen weiß und auch genießen kann.

Luxus 1: ich habe KEINEN Wecker. Ich bin der Chef in der Firma und niemand regt sich auf wenn ich später zur Arbeit komme. Niemand schreibt mir vor wann ich in der Firma zu sein habe. Niemand beobachtet mein Zeitkonto. Ich bin frei. Das entbindet mich nicht von meiner Verantwortung gegenüber meiner Familie, meiner Firma und meinen Mitarbeitern. Aber es entspannt den Aufstehprozess ungemein :-)

Luxus 2: Die Werkstation liegt nur ca. 5 km von meinem Wohnort entfernt. Ich braucht also maximal 10 Minuten von zuhause zum Büro. Es gibt keine Ampeln auf der Strecke und einen Stau hatte ich auch noch NIE!

Doch der wohl größte Luxus ist: Ich habe Spaß an dem was ich tue. Ich gehe gerne zur Arbeit. Ich empfinde eine große Freude an mein Tun. Und auch mit dem ‘Ergebnis’ bin ich meistens zufrieden. Das liegt aber nicht nur daran, dass es oft gut ist (aber eben nicht immer). Nein – ich bin auch mit wenig(er) zufrieden. Und das macht die Sache einfacher :-)

Die wahren Luxüsse…2019-09-04T12:08:54+02:00
17 12, 2014

Die Macht der Bilder…

2019-09-04T12:08:54+02:00

Bilder haben Macht. Und prägen Menschen nachhaltig. Das beweisen Studien zum Fernseh- und Internet-Konsum: TV Bilder beeinflussen so erwiesenermaßen die Fantasie – nicht nur von Kindern und Jugendlichen.

Genauso mächtig sind unsere persönlichen „Zukunfts-Bilder“. Wie wir über morgen denken, prägt das Heute. Sind unsere „Bilder“ von Angst und Resignation gezeichnet, ist es kein Wunder, dass wir schwarz sehen. Aber dafür besteht kein Anlass. Denn was momentan in der Welt passiert, war längst vorauszusehen. Und trotz aller aktuellen Hiobsbotschaften gilt es, Augenmaß zu behalten. Oder wie das Magazin ‚brand eins’ es einmal ausdrückt: „Keine Panik! Es ist schon wieder nicht das Ende.“ Darum geht’s. Nicht um blinden Optimismus. Sondern um eine gesunde Optik.

Wahr ist: Was momentan in unserer Welt passiert ist die Folge von Machthunger, Unverstand und Manipulation. Wie die Konsequenzen für uns aussehen, hängt auch davon ab, wie wir damit umgehen. Denn die ganzen Krisen können auch ihr Gutes haben. Und wieder zu mehr werteorientiertem Handeln führen. Unter der Voraussetzung: Wir haben den Mut, Fehler einzugestehen, konsequent zu handeln und nachweißlich Gescheitertes scheitern zu lassen. Denn jedes Ende birgt die Chance für einen Neuanfang – und das muss es uns wert sein.

Apropos: Wert ist es auch, sich an den wahren Wert von Weihnachten zu erinnern: Da geht ein Licht auf, als niemand damit rechnet. Und ein kleines Kind wird zum großen Vorbild für eine einleuchtende Botschaft: Hoffnung nämlich.

Es stimmt schon. Wenn in der Zukunft Hoffnung liegt, liegt Kraft in der Gegenwart.

Die Macht der Bilder…2019-09-04T12:08:54+02:00
11 05, 2014

Conchita Wurst ist mir (nicht) wurst…

2019-09-04T12:08:54+02:00

Ich sitze vor dem Fernseher.  Es läuft der Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen. Conchita Wurst gibt ihren (oder seinen?) Song zum besten. Ich bin irritiert und ertappe mich dabei, dass sich alles in mir sträubt. Und dann wird mir schlagartig klar warum das so ist. Es ist der Bart. Ein (Voll-) Bart hat nach meinem ästhetischen Empfinden in einem Frauengesicht nichts verloren.

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Der oder die Wurst kann machen was sie oder er will. Doch in diesem Fall fühle ich mich förmlich gedrängt, das gut finden zu müssen. Alle jubeln und finden das toll (zumindest tun sie so). Aber das kann und will ich nicht. Ich reihe mich nicht in den Lobgesang von (fast) ganz Europa und auch nicht  in die ’12-Punkte Jubelgemeinde’ ein. Von mir gibt es 0 Punkte. Ich nehme mir das Recht zu sagen: Ich kann damit nichts anfangen und mir gefällt das überhaupt nicht.

Conchita Wurst ist mir (nicht) wurst…2019-09-04T12:08:54+02:00
6 02, 2013

Grippewelle

2019-09-04T12:09:07+02:00

Eine Grippewelle rollt über Deutschland hinweg. Die Wartezimmer sind überfüllt. Auch mich hat es erwischt. Ich bin schlapp – müde – die Glieder schmerzen – Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Ich gehe sofort zum Arzt und hoffe er verschreibt mir etwas, was mich schnellstmöglich wieder ‘einsatzbereit’ macht. Denn – ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen. Krank sein ist heute negativ belegt. Man leistet nichts – drückt sich – lässt die Kollegen im Stich. Und dann ist da auch noch die Angst, dass man etwas verpasst oder am Ende gar entbehrlich wird.

 

Ich besuche einen guten Freund. Wir treffen uns alle paar Wochen zum Gespräch – wir reden so über dies und das und ich mag es sehr, dass er mein Leben aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und mir auch so manchen guten Rat geben kann. “Wie geht es Dir”?, fragt er mich. “Ich bin krank”, sage ich geknickt und beschreibe ihm meine Symptome. “Schön”, sagt er. “Genießt Du das auch”? “Genießen”? – frage ich überrascht. “Ja”, sagt er und fährt fort: “Ich war vor zwei Wochen auch krank – und ich habe es genossen”. “Meine Frau hat mich umsorgt und verwöhnt, meine Kinder haben mich unterstützt. Ich musste keine Termine wahrnehmen, keine anstrengenden Telefonate führen”. Und dann sagte er – mit einem breiten Lächeln im Gesicht: “Ich habe krank GEFEIERT – und das hat mir richtig gut getan”.

 

Auf dem Nachhauseweg habe ich noch lange nachgedacht. In Gedanken bin ich zurück in meine Kindheit gegangen. Und ich konnte es förmlich spüren. Wenn ich als Kind krank war, dann war meine Mama ganz besonders fürsorglich – ganz besonders liebevoll. Sie hat mich umsorgt – sie hat mich gepflegt – und sie hat mir mein Lieblingsessen gekocht :-). Ich durfte krank ‘feiern’ – keine Schule, keine Aufgaben im Haushalt, keine sonstigen Verpflichtungen. Ich durfte mich einfach fallen lassen und in Ruhe gesund werden!

 

Das fehlt (mir) heute – aber ich will das für mich wieder lernen. Denn krank wird man meistens dann, wenn Körper und Seele das brauchen. Innehalten (was für ein altmodisch anmutendes Wort), die Seele baumeln lassen, fünf gerade sein lassen und einfach krank feiern. Und ich habe mir fest vorgenommen: beim nächsten Mal ‘feiere’ ich auch!

Grippewelle2019-09-04T12:09:07+02:00