Die etwas andere Sicht… 2018-06-18T16:09:17+00:00

Die etwas andere Sicht der Dinge

Diesen Mono(B)log führe ich mehr oder weniger (eher weniger) regelmäßig. Ich gebe Gedanken und Erlebnisse aus dem Unternehmensalltag sowie Geschichten aus dem Nähkästchen zum Besten. Außerdem blicke ich hin und wieder zurück und vergleiche – früher zu heute. Aber auch Dinge aus dem aktuellen Geschehen greife ich auf. Die Ausführungen spiegeln ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und erheben KEINEN Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch :-).

Die Leser haben keine direkte Möglichkeit auf einzelne Einträge zu antworten. Wer unbedingt seinen Senf dazugeben will, kann das unter »tagebuch [at] werkstation.de« gerne tun. Allerdings behalte ich mir vor, Inhalte dieser Mails zu ignorieren oder zu zitieren.

11.07.2012 – Fehler

Juli 11th, 2012|

Ich bin Unternehmer – und kein Unterlasser. Ich mache Fehler – viele Fehler sogar. Und lange Zeit hatte ich damit Probleme. Denn – Fehler kosten fast immer Geld und Fehler werden in unserer Gesellschaft bestraft und nicht gefördert. Und folgerichtig geben sich alle große Mühe keine Fehler zu machen. Und das führt (leider – und gerade auch in Großunternehmen) dazu, dass man möglichst wenig tut – keine Entscheidungen mehr trifft – alles VORHER genau abwägt und möglichst wenig ausprobiert. Ideale Voraussetzungen also für einen Stillstand – und einen Burnout bei den Mitarbeitern.


Wir in der Werkstation haben dagegen ein Mittel gefunden. Es gibt bei uns schon seit ein paar Jahren ein internes Verrechnungskonto – und das heißt: Fehlerkonto. Ich habe für Fehler ein Jahresbudget von  € XX.000,– festgelegt – und nein – das genau Budget tut hier nichts zur Sache :-). Und jedes Mal wenn wir jetzt einen Fehler machen, dann schreiben wir den daraus resultierenden ‘Fehlbetrag’ diesem Konto gut.


Und es wirkt tatsächlich. Ich bin nicht mehr gefrustet. Fast das Gegenteil ist der Fall. Ich freue mich immer wieder, wenn ich das Konto am Jahresende nicht überzogen habe. Und das war bisher noch NIE der Fall! BTW – meine Mitarbeiter können das Konto mit ihren Fehlern natürlich auch ‘belasten’.


So ein Konto ist echt hilfreich und entlastend – und ich kann das jedem Unternehmen nur empfehlen. Denn – die begangenen Fehler machen mich auch jedes Mal a bissle schlauer – und ich werde immer etwas erfahrener. Meist stellt sich sogar heraus, dass sich durch begangene Fehler neue Wege auftun und neue Möglichkeiten ergeben. Manche Fehler führen sogar dazu, dass am Ende ein noch besseres Produkt herauskommt. Also – lasst uns viel mehr Fehler machen. Oder um es mit den Worten von Martin Luther zu sagen: “sündige tapfer” 🙂

03.07.2012 – Das Benzin Hoffnung

Juli 3rd, 2012|

Wer in der Werkstation anruft und weiterverbunden wird, hört in der Warteschleife ein besonderes Lied. Ein Kind singt “der Siebte Sinn” von Herbert Grönemeyer. Und das kam so:


Ich habe eine Wette verloren. Mein Wetteinsatz war, dass ich o.a. Lied gesanglich und instrumental (Klavier) zum Besten geben muss.  Weil ich aber zum damaligen Zeitpunkt das Klavier seit mehr als 20 Jahre nicht mehr angefasst – geschweige denn’ bespielt’ hatte, hat es mich viel Zeit und Mühe gekostet das Lied zu erlernen. Aber – ich war fleißig – und übte fast jeden Tag.


Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass mein damals fünfjähriger Sohn das Lied komplett auswendig mitsingen konnte. Es gab zwar kleine textliche Abweichungen vom Original – aber insgesamt war das Ergebnis doch hörenswert und die Stimme erweicht das Herz :-). Also habe ich ihn kurzerhand zu einem Freund geschleppt. Mein Sohn hat das Lied EINMAL gesungen und wir haben es aufgenommen – und das Ergebnis ist unsere Warteschleife.


Den meisten Kunden gefällt’s – langjährige Kunden wünschen sich manchmal auch etwas Abwechslung. Mir gefällt’s auch – also wird das Lied wohl solange laufen, bis unsere Telefonanlage den Geist aufgibt.


Und wer will, kann sich das Lied hier komplett anhören – viel Spaß beim Hören 🙂

16.05.2012 – Telefonkonferenzen – das Allheilmittel

Mai 16th, 2012|

Telkos scheinen für große Unternehmen eine Art Allheilmittel zu sein. Ich nenne sie schlicht: Verbalonanie. Wenn nichts mehr geht, der Karren in den Dreck gefahren ist und keiner – aber wirklich GAR KEINER mehr weiß um was geht, dann – macht man eine Telko. Die heilige Telko-Zeremonie beginnt damit, dass man eine E-Mail bekommt – mit Datum, Uhrzeit und Einwahlnummer sowie einem Code. Dann kommt der große Tag – falls die Telko nicht ein ums andre mal verschoben wird. Und dann befindet man sich in einer ‘virtuellen Wartehalle’. Mein Rekord waren 26 (in Worten SECHSUNDZWANZIG!) wichtige Menschen. Das war übrigens bei einem großen Telekommunikationsunternehmen!


Gestern also wähle ich mich ein – ich bin einer der ersten – und um ein Gefühl für die Anzahl der Teilnehmer zu bekommen, erzähle ich nach zwei Minuten einen Witz. An der Resonanz – dem Gelächter – kann ich erkennen, dass in etwa 6 Teilnehmer ‘anwesend’ sein müssen. Die Telko füllt sich zuhörends und jedes Mal wenn ein neuer Teilnehmer hinzu kommt, ertönt ein Piepton. Es piepst also noch ca. 5 mal – und dann scheinen wir auch schon vollzählig zu sein (zumindest quantitativ :-). Der Rädelsführer übernimmt das Kommando und beginnt damit, die Teilnehmer zu begrüßen, vorzustellen und dann sagt er noch, dass er nur GANZ kurz Zeit hat, weil die nächste – noch wichtigere Telko – für ihn bereits in 15 Minuten beginnt. Und an den Reaktionen weiterer Teilnehmer kann ich erkennen, dass auch bei Ihnen wichtige ‘Anschlusstelkos’ anstehen. Die Wichtigkeit in einem Großunternehmen hängt also offensichtlich mit der Anzahl der im Laufe eines Arbeitslebens bewältigten Telkos zusammen.


Ich habe – auch gestern wieder – festgestellt, dass es unterschiedliche Arten von ‘Telkonisten’ gibt, nämlich die, die zuhören und mitmachen; die, die nur zuhören – aber nicht mitmachen; die, die weder zuhören noch mitmachen und die, die nicht nur nicht zuhören und nicht mitmachen – sondern nebenher mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind. Z.B. E-Mails beantworten, mit dem Handy telefonieren, auf den Nägeln kauen, in der Nase bohren oder was auch immer. Ich möchte nicht wissen, wer unter dessen sogar auf der Toilette sitzt. Tastaturklappern habe ich schon oft vernommen – zum Glück aber noch nicht das Geräusch einer Toilettenspülung!


Meistens (bzw. IMMER) ist man nach der Telko genau so schlau wie vorher. So auch gestern. Und deshalb habe ich auch irgendwann einfach aufgelegt, nachdem ich zuvor den Hörer ein paar Minuten bei Seite gelegt hatte.


Die Telko war wohl irgendwann zu Ende – und wie immer – begann die eigentliche Kommunikation erst dann. Denn nacheinander haben mich 5 Teilnehmer angerufen und sind hintenherum über die anderen Teilnehmer und das nicht vorhandene Ergebnis hergezogen. Und noch was ist mir aufgefallen. Keiner hat bemerkt, dass ich aufgelegt und das Ende der Telko überhaupt nicht erlebt habe!


Ich habe daher für mich beschlossen, dass ich nur noch an Telkos teilnehme, die weniger als drei Telkonisten hat. Ich bin einfach nicht multitelkotaskingfähig – da bin ich echt ‘beschränkt’!

02.04.2012 – Geht doch…

April 2nd, 2012|

Im Herbst 2004 – ich befand mich gerade auf einer Messe in Frankfurt – bekamen wir eine Anfrage von einem großen Unternehmen aus der Luftfahrtbranche über ca. 80 Terminalsysteme. Conny rief also auf meinem Handy an und fragte mich, ob wir da überhaupt anbieten sollen. Ich teilte Connys Bedenken – und habe daher gesagt, sie solle nicht lange nachdenken über Preise und Sonderkonditionen und was auch immer. Sie solle einfach ein Angebot abgeben und die Sache dann schnell vergessen. Normalerweise ist das nämlich so, dass sich solche Aufträge irgendein Großer aus der Branche ‘holt’ – und man nur als ‘Wettbewerbsfutter’ mitmischen darf. D.h. die brauchen – für die interne Revision – ein paar Gegenangebote um auf der sicheren Seite zu sein. Manchmal ist der Auftrag sogar bereits vergeben. So zumindest meine Erfahrungen und Eindrücke bei Großprojekten.


Das Telefonat mit Conny muss so gegen 10:00 Uhr gewesen sein. Ich hatte die Angelegenheit bereits wieder vergessen – als gegen 11:30 Uhr mein Handy wieder klingelte. Conny teilte mir mit, dass soeben die Bestellung des Kunden per Fax gekommen sei. Ich war baff – und zunächst auch der Meinung, dass das nur ein Irrtum sein kann. Aber es war tatsächlich so – wir hatten den Auftrag bekommen! Ich verstand die Welt nicht mehr – doch nun gab es ein neues Problem – denn wir konnten den Auftrag gar nicht komplett vorfinanzieren.


Was tun? Na ja – dachte ich – einfach sagen wie es ist! Also habe ich am nächsten Tag den Hörer in die Hand genommen und den Einkäufer angerufen. Ich habe die Karten auf den Tisch gelegt und ihm gesagt, dass wir nicht in der Lage wären das komplette Projekt vorzufinanzieren. Und was sagt der Mensch am anderen Ende der Leitung? Er sagt doch tatsächlich (wortwörtlich!): “Schreiben Sie uns bitte die Rechnung – wir bezahlen den kompletten Betrag”. Ich konnte das nicht glauben – aber – wir haben die Rechnung geschrieben. Doch nun gab es wieder ein weiteres Problem. Wenn der Kunde nicht zeitnah bezahlen würden, dann hätten wir trotzdem ca. EUR 40.000,– Vorsteuer ans Finanzamt abführen müssen. Und das hätte uns zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich das Genick gebrochen.


Doch – nach zwei schlaflosten Nächten war das GANZE Geld (immerhin ca. EU 300.000,–) unserem Konto gutgeschrieben. Wie habe ich diesen Kontoauszug geliebt – ich habe mir davon eine FARB-Kopie gemacht, die ich bis heute in Ehren halte 🙂 Bis zur Auslieferung sind dann noch mal locker 8 bis 10 Wochen vergangen. Aber wir haben alles gut hingekriegt und der Auftrag war ein voller Erfolg. Der Kunde war zufrieden – und ich erst mal…