Die etwas andere Sicht der Dinge

Diesen Mono(B)log führe ich mehr oder weniger (eher weniger) regelmäßig. Ich gebe Gedanken und Erlebnisse aus dem Unternehmensalltag sowie Geschichten aus dem Nähkästchen zum Besten. Außerdem blicke ich hin und wieder zurück und vergleiche – früher zu heute. Aber auch Dinge aus dem aktuellen Geschehen greife ich auf. Die Ausführungen spiegeln ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und erheben KEINEN Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch :-).

Die Leser haben keine direkte Möglichkeit auf einzelne Einträge zu antworten. Wer unbedingt seinen Senf dazugeben will, kann das unter »tagebuch [at] werkstation.de« gerne tun. Allerdings behalte ich mir vor, Inhalte dieser Mails zu ignorieren oder zu zitieren.

Geblieben ist Zuversicht

Oktober 10th, 2015|

Uli ist gestorben – heute Nachmittag. Gestern Nacht habe ich ihn noch besucht, meinen Freund. Uli war 50 Jahre alt – nur ein paar Wochen älter als ich. Er war ein Macher. Ein Anpacker. Geschäftsführer einer großen Bäckereikette. Dann der Börsengang. Erfolgreich. Aber Uli war auch bodenständig und klug. Hat zum richtigen Zeitpunkt wieder verkauft.

Dann ein Termin beim Arzt. „Legen Sie ihr Handy mal beiseite“, sagt der Arzt nach der Computertomographie, „Sie werden das jetzt mal eine Weile nicht brauchen“. Diagnose: Hirntumor.

Uli war ein Kämpfer. Weit mehr als 10 Jahre hat er dem Leben noch abgerungen. Viele Höhen und Tiefen durchlebt. Hoffen und Bangen. Und seine Frau immer tapfer an seiner Seite. Dann wurde es schlagartig schlechter. Lähmungserscheinungen – Sprachschwierigkeiten. Ich stehe hilflos da – besuche ihn seltener. Kann nur schwer damit umgehen. Bin ratlos. Traurig. Uli tröstet mich. Er mich! Er steht seinen Mann. Wie im Leben, so auch im Sterben. Er jammert nicht. Er lamentiert nicht.

„Uli geht es ganz schlecht – er muss gehen – schon sehr bald“, sagt man mir gestern. Ich fahre zu ihm. Er liegt im Bett – im Wohnzimmer – inmitten seiner Familie und seiner Freunde. Das hat er sich so gewünscht. Uli ist nicht mehr bei sich – er atmet schnell und flach. Ich streichle sein Gesicht, halte seine Hand. Ich weine – fühle mich hilflos.

Eine SMS erreicht mich bei der Gartenarbeit. „Uli ist gestorben“ steht da. Mehr nicht – aber auch nicht weniger. Ich setze mich ins Auto – will zu ihm fahren. Ich drehe wieder um. Nur langsam kommt diese Nachricht bei mir an. Im Herzen. Es berührt mich. Mehr als ich dachte.

Uli hat immer wieder gesagt: „Ich freue mich darauf – wenn ich heim gehen darf zu Gott“. Und dann sagte er noch: „Ich wünsche mir sehr, dass es sich nicht lange hin zieht“.

Uli ist jetzt daheim. Bei Gott. Im Himmel. Uli ist nicht mehr da. Er fehlt mir. Sehr. Was bleibt ist die Erinnerung – an ihn und an seine Zuversicht!

Grenzen an sich

September 10th, 2015|

In regelmäßigen Abständen bekomme ich die immer gleichen Anrufe. „Wir können Ihren Umsatz steigern. Sogar verdoppeln“, heißt es da. Optimistisch und nachdrücklich. Aber das will ich gar nicht. Und die Menschen am anderen Ende können (oder wollen?) das nicht glauben. „Ich bin zufrieden mit dem was ist“, sage ich dann. Ich will und ich KANN nicht noch mehr bewältigen. Denn – eine Steigerung geht immer einher mit der Erhöhung des Einsatzes. Dieser Einsatz ist Lebenszeit, Gesundheit und damit auch ein Stück Freiheit.  Und ich bin nicht (mehr) bereit, diesen Einsatz zu erbringen.

Die Werkstation ist ein kleines – aber feines Unternehmen. Die Produktion ist ausgelagert. Und ich genieße es sehr, dass wir so überschaubar und doch so schlagkräftig sind. Auch unsere Kunden wissen das zu schätzen. Immer mehr.

Ich habe erkannt, dass ich Grenzen habe. Ich anerkenne diese Grenzen. Und ich merke, dass mir das gut tut. Denn Grenzen an sich sind nichts Schlechtes. Sie bewahren vor Überforderung, vor Übermut und vor so manchem Schaden. Ich habe lange gebraucht dies zu erkennen. Habe meine Grenzen oft überschritten. Und jedes mal habe ich einen Preis dafür bezahlt. Gesundheitlich, finanziell oder familiär.

Lange habe ich damit gehadert. Andere können mehr – sind leistungsfähiger – erfolgreicher. Das muss ich doch auch schaffen! Aber ich habe dabei übersehen, dass jeder Mensch seine eigenen Grenzen hat. Und bei jedem Menschen verlaufen sie anders. Mal weiter – mal enger. Und meine Grenzen verlaufen so, dass sie – wenn ich sie achte – genau für mich und mein Leben passend und gut sind. Und ich merke, dass es  innerhalb meiner Grenzen noch viel Raum für Entwicklung gibt. Entwicklung die weiter bringt, zu mir passt und die mir und meinem Leben gut tut.

Es gelingt mir nicht immer – aber immer öfter. Meine Grenzen zu sehen, zu akzeptieren und nicht zu überschreiten…

Gut oder genial?

August 16th, 2015|

Gute Chefs bauen gerne und verkaufen gewinnbringend. Geniale Chefs wollen eine Gemeinschaft bauen, die gut funktioniert. Mit erfüllten und geeinten Mitarbeitern, die gerne bauen und wunderbare Dinge gewinnbringend verkaufen.

Guten Chefs geht es vor allem um Produkt und Profit. Genialen um Menschen, um das Team, darum eine Kultur zu schaffen. Werte zu setzen, wonach die Kultur sich richtet. Sie glauben, dass gute Produkte und Profit daraus entstehen und nachhaltig über Generationen hinweg weiterfließen. Der geniale Chef kümmert sich mehr um die Menschen als um die Sache. Sein Hauptaugenmerk liegt also darauf, den Visionstank seiner Mitarbeiter zu füllen. Er will eine Einheit schaffen und erhalten. Er will motivieren und begeistern.

Ich wünsche mir sehr, dass ich ein genialer Chef bin – aber das bin ich wahrlich nicht immer. Und doch bin ich guter Hoffnung, dass es mir jeden Tag ein Stück weit mehr gelingt…

Die wahren Luxüsse…

April 16th, 2015|

Früher dachte ich: Luxus hat etwas mit Geld und Besitz zu tun. Heute sehe ich das anders. Luxus ist Lebensqualität. Und ich stelle fest, dass ich da ein gesegneter Mensch bin. Denn es gibt viele Luxüsse (ist das eigentlich der Plural von Luxus? 🙂 ) in meinem Leben die ich inzwischen SEHR zu schätzen weiß und auch genießen kann.

Luxus 1: ich habe KEINEN Wecker. Ich bin der Chef in der Firma und niemand regt sich auf wenn ich später zur Arbeit komme. Niemand schreibt mir vor wann ich in der Firma zu sein habe. Niemand beobachtet mein Zeitkonto. Ich bin frei. Das entbindet mich nicht von meiner Verantwortung gegenüber meiner Familie, meiner Firma und meinen Mitarbeitern. Aber es entspannt den Aufstehprozess ungemein 🙂

Luxus 2: Die Werkstation liegt nur ca. 5 km von meinem Wohnort entfernt. Ich braucht also maximal 10 Minuten von zuhause zum Büro. Es gibt keine Ampeln auf der Strecke und einen Stau hatte ich auch noch NIE!

Doch der wohl größte Luxus ist: Ich habe Spaß an dem was ich tue. Ich gehe gerne zur Arbeit. Ich empfinde eine große Freude an mein Tun. Und auch mit dem ‚Ergebnis‘ bin ich meistens zufrieden. Das liegt aber nicht nur daran, dass es oft gut ist (aber eben nicht immer). Nein – ich bin auch mit wenig(er) zufrieden. Und das macht die Sache einfacher 🙂