6 02, 2013

Grippewelle

2019-09-04T12:09:07+02:00

Eine Grippewelle rollt über Deutschland hinweg. Die Wartezimmer sind überfüllt. Auch mich hat es erwischt. Ich bin schlapp – müde – die Glieder schmerzen – Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Ich gehe sofort zum Arzt und hoffe er verschreibt mir etwas, was mich schnellstmöglich wieder ‘einsatzbereit’ macht. Denn – ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen. Krank sein ist heute negativ belegt. Man leistet nichts – drückt sich – lässt die Kollegen im Stich. Und dann ist da auch noch die Angst, dass man etwas verpasst oder am Ende gar entbehrlich wird.

 

Ich besuche einen guten Freund. Wir treffen uns alle paar Wochen zum Gespräch – wir reden so über dies und das und ich mag es sehr, dass er mein Leben aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und mir auch so manchen guten Rat geben kann. “Wie geht es Dir”?, fragt er mich. “Ich bin krank”, sage ich geknickt und beschreibe ihm meine Symptome. “Schön”, sagt er. “Genießt Du das auch”? “Genießen”? – frage ich überrascht. “Ja”, sagt er und fährt fort: “Ich war vor zwei Wochen auch krank – und ich habe es genossen”. “Meine Frau hat mich umsorgt und verwöhnt, meine Kinder haben mich unterstützt. Ich musste keine Termine wahrnehmen, keine anstrengenden Telefonate führen”. Und dann sagte er – mit einem breiten Lächeln im Gesicht: “Ich habe krank GEFEIERT – und das hat mir richtig gut getan”.

 

Auf dem Nachhauseweg habe ich noch lange nachgedacht. In Gedanken bin ich zurück in meine Kindheit gegangen. Und ich konnte es förmlich spüren. Wenn ich als Kind krank war, dann war meine Mama ganz besonders fürsorglich – ganz besonders liebevoll. Sie hat mich umsorgt – sie hat mich gepflegt – und sie hat mir mein Lieblingsessen gekocht :-). Ich durfte krank ‘feiern’ – keine Schule, keine Aufgaben im Haushalt, keine sonstigen Verpflichtungen. Ich durfte mich einfach fallen lassen und in Ruhe gesund werden!

 

Das fehlt (mir) heute – aber ich will das für mich wieder lernen. Denn krank wird man meistens dann, wenn Körper und Seele das brauchen. Innehalten (was für ein altmodisch anmutendes Wort), die Seele baumeln lassen, fünf gerade sein lassen und einfach krank feiern. Und ich habe mir fest vorgenommen: beim nächsten Mal ‘feiere’ ich auch!

Grippewelle2019-09-04T12:09:07+02:00
12 08, 2012

Ja – die Natur…

2019-09-04T12:09:07+02:00

Größer, schneller, weiter… Schon einige Zeit beobachte ich, stellvertretend und verstärkt im Smartphone und Tablet-Markt, dass die Anhängerschaft dieser Geräte in regelmäßigen Abständen enttäuscht ist von ‘neuen’ Produkten. ‘Nur’ ein größeres oder besseres Display – ‘nur’ ein schnellerer Prozessor – ‘nur’ eine Weiterentwicklung des Vorgängermodells. Die aus den hohen Erwartungen gespeiste Enttäuschung schlägt sich dann meist auch sehr schnell in sinkenden Aktienkursen nieder. Es wird gar die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens angezweifelt.

 

Früher war das doch noch anders. Und ich frage mich dann schon, wo das noch alles hingehen soll? Niemals zuvor wurden in so kurzer Zeit so viele bahnbrechende Neuentwicklungen vorgestellt, noch niemals war die Anzahl der zur Verfügung stehenden Ausführungen so groß – aber auch noch nie vorher war die Reaktion bei Nichterfüllung so brutal.

 

Und – ich gebe das offen zu – auch ich habe mich davon beeinflussen lassen – auch ich habe mich mitreißen lassen von diesem Wahn. Auch die Produktlebenszyklen bei uns wurden kürzer – die Abstände zwischen den Vorstellungen neuer Produkte immer kleiner. Und – ich war mehr und mehr gefrustet darüber, dass auch bei uns Produkte übereilt – unausgegoren und suboptimal entwickelt auf den Markt geworfen wurden. Nur um immer um vorne mit dabei zu sein. Daraus resultierte, dass wir in der Folgezeit immer mehr Zeit für das Beheben von Fehlern und die Instandsetzung von nicht ganz reibungslos funktionierenden Produkten aufbringen mussten. Die Arbeit machte weniger Spaß – war nervenaufreibend und in höchstem Maße unbefriedigend.

 

Diesen Frust habe ich unserem Entwicklungschef mitgeteilt und er hat – nach einer längeren Zeit des Nachdenkens – den folgenden Satz zu mir gesagt: “Die Natur braucht neun Monate für ein sehr gutes Produkt – warum bilden wir uns ein, dass wir schneller sein müssen”?. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und schlussendlich überzeugt. Und ich habe beschlossen unseren Produkten mehr Zeit zum Reifen zu geben. Außerdem halten wir länger an Bewährtem fest. Und was soll ich sagen? Wir merken immer mehr, dass uns das auf der einen Seite weniger Geld kostet, weniger Stress verursacht und unser Kunden es SEHR zu schätzen wissen, dass sie bei uns langfristig verfügbare und langlebige Produkte bekommen. Außerdem hat sich unser Serviceaufwand so stark reduziert, dass ich nur staunen kann!

Ja – die Natur…2019-09-04T12:09:07+02:00
11 07, 2012

Fehler

2019-09-11T18:25:54+02:00

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Ich bin Unternehmer – und kein Unterlasser. Ich mache Fehler – viele Fehler sogar. Und lange Zeit hatte ich damit Probleme. Denn – Fehler kosten fast immer Geld und Fehler werden in unserer Gesellschaft bestraft und nicht gefördert. Und folgerichtig geben sich alle große Mühe keine Fehler zu machen. Und das führt (leider – und gerade auch in Großunternehmen) dazu, dass man möglichst wenig tut – keine Entscheidungen mehr trifft – alles VORHER genau abwägt und möglichst wenig ausprobiert. Ideale Voraussetzungen also für einen Stillstand – und einen Burnout bei den Mitarbeitern.

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Wir in der Werkstation haben dagegen ein Mittel gefunden. Es gibt bei uns schon seit ein paar Jahren ein internes Verrechnungskonto – und das heißt: Fehlerkonto. Ich habe für Fehler ein Jahresbudget von  € XX.000,– festgelegt – und nein – das genau Budget tut hier nichts zur Sache :-). Und jedes Mal wenn wir jetzt einen Fehler machen, dann schreiben wir den daraus resultierenden ‘Fehlbetrag’ diesem Konto gut.

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Und es wirkt tatsächlich. Ich bin nicht mehr gefrustet. Fast das Gegenteil ist der Fall. Ich freue mich immer wieder, wenn ich das Konto am Jahresende nicht überzogen habe. Und das war bisher noch NIE der Fall! BTW – meine Mitarbeiter können das Konto mit ihren Fehlern natürlich auch ‘belasten’.

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So ein Konto ist echt hilfreich und entlastend – und ich kann das jedem Unternehmen nur empfehlen. Denn – die begangenen Fehler machen mich auch jedes Mal a bissle schlauer – und ich werde immer etwas erfahrener. Meist stellt sich sogar heraus, dass sich durch begangene Fehler neue Wege auftun und neue Möglichkeiten ergeben. Manche Fehler führen sogar dazu, dass am Ende ein noch besseres Produkt herauskommt. Also – lasst uns viel mehr Fehler machen. Oder um es mit den Worten von Martin Luther zu sagen: “sündige tapfer” :-)

Fehler2019-09-11T18:25:54+02:00
16 05, 2012

Telefonkonferenzen – das Allheilmittel

2019-09-04T12:09:08+02:00

Telkos scheinen für große Unternehmen eine Art Allheilmittel zu sein. Ich nenne sie schlicht: Verbalonanie. Wenn nichts mehr geht, der Karren in den Dreck gefahren ist und keiner – aber wirklich GAR KEINER mehr weiß um was geht, dann – macht man eine Telko. Die heilige Telko-Zeremonie beginnt damit, dass man eine E-Mail bekommt – mit Datum, Uhrzeit und Einwahlnummer sowie einem Code. Dann kommt der große Tag – falls die Telko nicht ein ums andre mal verschoben wird. Und dann befindet man sich in einer ‘virtuellen Wartehalle’. Mein Rekord waren 26 (in Worten SECHSUNDZWANZIG!) wichtige Menschen. Das war übrigens bei einem großen Telekommunikationsunternehmen!

 

Gestern also wähle ich mich ein – ich bin einer der ersten – und um ein Gefühl für die Anzahl der Teilnehmer zu bekommen, erzähle ich nach zwei Minuten einen Witz. An der Resonanz – dem Gelächter – kann ich erkennen, dass in etwa 6 Teilnehmer ‘anwesend’ sein müssen. Die Telko füllt sich zuhörends und jedes Mal wenn ein neuer Teilnehmer hinzu kommt, ertönt ein Piepton. Es piepst also noch ca. 5 mal – und dann scheinen wir auch schon vollzählig zu sein (zumindest quantitativ :-). Der Rädelsführer übernimmt das Kommando und beginnt damit, die Teilnehmer zu begrüßen, vorzustellen und dann sagt er noch, dass er nur GANZ kurz Zeit hat, weil die nächste – noch wichtigere Telko – für ihn bereits in 15 Minuten beginnt. Und an den Reaktionen weiterer Teilnehmer kann ich erkennen, dass auch bei Ihnen wichtige ‘Anschlusstelkos’ anstehen. Die Wichtigkeit in einem Großunternehmen hängt also offensichtlich mit der Anzahl der im Laufe eines Arbeitslebens bewältigten Telkos zusammen.

 

Ich habe – auch gestern wieder – festgestellt, dass es unterschiedliche Arten von ‘Telkonisten’ gibt, nämlich die, die zuhören und mitmachen; die, die nur zuhören – aber nicht mitmachen; die, die weder zuhören noch mitmachen und die, die nicht nur nicht zuhören und nicht mitmachen – sondern nebenher mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind. Z.B. E-Mails beantworten, mit dem Handy telefonieren, auf den Nägeln kauen, in der Nase bohren oder was auch immer. Ich möchte nicht wissen, wer unter dessen sogar auf der Toilette sitzt. Tastaturklappern habe ich schon oft vernommen – zum Glück aber noch nicht das Geräusch einer Toilettenspülung!

 

Meistens (bzw. IMMER) ist man nach der Telko genau so schlau wie vorher. So auch gestern. Und deshalb habe ich auch irgendwann einfach aufgelegt, nachdem ich zuvor den Hörer ein paar Minuten bei Seite gelegt hatte.

 

Die Telko war wohl irgendwann zu Ende – und wie immer – begann die eigentliche Kommunikation erst dann. Denn nacheinander haben mich 5 Teilnehmer angerufen und sind hintenherum über die anderen Teilnehmer und das nicht vorhandene Ergebnis hergezogen. Und noch was ist mir aufgefallen. Keiner hat bemerkt, dass ich aufgelegt und das Ende der Telko überhaupt nicht erlebt habe!

 

Ich habe daher für mich beschlossen, dass ich nur noch an Telkos teilnehme, die weniger als drei Telkonisten hat. Ich bin einfach nicht multitelkotaskingfähig – da bin ich echt ‘beschränkt’!

Telefonkonferenzen – das Allheilmittel2019-09-04T12:09:08+02:00
2 04, 2012

Geht doch…

2019-09-04T12:09:08+02:00

Im Herbst 2004 – ich befand mich gerade auf einer Messe in Frankfurt – bekamen wir eine Anfrage von einem großen Unternehmen aus der Luftfahrtbranche über ca. 80 Terminalsysteme. Conny rief also auf meinem Handy an und fragte mich, ob wir da überhaupt anbieten sollen. Ich teilte Connys Bedenken – und habe daher gesagt, sie solle nicht lange nachdenken über Preise und Sonderkonditionen und was auch immer. Sie solle einfach ein Angebot abgeben und die Sache dann schnell vergessen. Normalerweise ist das nämlich so, dass sich solche Aufträge irgendein Großer aus der Branche ‘holt’ – und man nur als ‘Wettbewerbsfutter’ mitmischen darf. D.h. die brauchen – für die interne Revision – ein paar Gegenangebote um auf der sicheren Seite zu sein. Manchmal ist der Auftrag sogar bereits vergeben. So zumindest meine Erfahrungen und Eindrücke bei Großprojekten.

 

Das Telefonat mit Conny muss so gegen 10:00 Uhr gewesen sein. Ich hatte die Angelegenheit bereits wieder vergessen – als gegen 11:30 Uhr mein Handy wieder klingelte. Conny teilte mir mit, dass soeben die Bestellung des Kunden per Fax gekommen sei. Ich war baff – und zunächst auch der Meinung, dass das nur ein Irrtum sein kann. Aber es war tatsächlich so – wir hatten den Auftrag bekommen! Ich verstand die Welt nicht mehr – doch nun gab es ein neues Problem – denn wir konnten den Auftrag gar nicht komplett vorfinanzieren.

 

Was tun? Na ja – dachte ich – einfach sagen wie es ist! Also habe ich am nächsten Tag den Hörer in die Hand genommen und den Einkäufer angerufen. Ich habe die Karten auf den Tisch gelegt und ihm gesagt, dass wir nicht in der Lage wären das komplette Projekt vorzufinanzieren. Und was sagt der Mensch am anderen Ende der Leitung? Er sagt doch tatsächlich (wortwörtlich!): “Schreiben Sie uns bitte die Rechnung – wir bezahlen den kompletten Betrag”. Ich konnte das nicht glauben – aber – wir haben die Rechnung geschrieben. Doch nun gab es wieder ein weiteres Problem. Wenn der Kunde nicht zeitnah bezahlen würden, dann hätten wir trotzdem ca. EUR 40.000,– Vorsteuer ans Finanzamt abführen müssen. Und das hätte uns zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich das Genick gebrochen.

 

Doch – nach zwei schlaflosten Nächten war das GANZE Geld (immerhin ca. EU 300.000,–) unserem Konto gutgeschrieben. Wie habe ich diesen Kontoauszug geliebt – ich habe mir davon eine FARB-Kopie gemacht, die ich bis heute in Ehren halte :-) Bis zur Auslieferung sind dann noch mal locker 8 bis 10 Wochen vergangen. Aber wir haben alles gut hingekriegt und der Auftrag war ein voller Erfolg. Der Kunde war zufrieden – und ich erst mal…

Geht doch…2019-09-04T12:09:08+02:00
7 03, 2012

Vielleicht

2019-09-04T12:09:08+02:00

Wir haben heute eine Ausschreibung von einem Transport- und Logistikunternehmen bekommen. Die wollen GAAANZ viele Terminals kaufen. Und wie immer, sind da GAAANZ viele Zusatzpapiere (Verträge und Geheimhaltungsvereinbarungen) dabei. Insgesamt ca. (gefühlte) 50.000 Seiten :-).

 

Das ist ja grundsätzlich alles i.O. – aber wenn man sich diese ganzen Papiere durchliest (was ich inzwischen nicht mehr mache), dann beschleicht einen schon das Gefühl, dass die Sklaverei wieder eingeführt werden soll. Denn – ich habe u.a. den folgenden (wunderschönen) Satz in der Ausschreibung gefunden. Dort heißt es: “Im Zuge des Projektverlaufs ist es vorgesehen, eine Pilotierung der Hardware vorzunehmen. Hierzu benötigen wir ein KOSTENFREIES Leihgerät für den Pilotierungszeitraum. Für etwaige Beschädigungen die aus dem Hardwaretest entstehen könnten, übernehmen wir keine Haftung”.

 

Ich habe natürlich sofort in die Tasten gegriffen und dem Einkauf (sinngemäß) folgende Mail geschrieben:

»Liebes Transport- und Logistikunternehmen,

wir beabsichtigen VIELLEICHT in nächsten Jahr ganz oft von Stuttgart nach Hannover zu fahren. Um hier jedoch eine Entscheidung treffen zu können, benötigen meine Mitarbeiter und ich für einen Pilotierungszeitraum kostenlose Testfahren. Für etwaige Beschädigungen die meine Mitarbeiter während der Testfahrten verursachen, übernehmen wir keine Haftung.«

Hat leider nicht geklappt :-(. Aber der Einkauf hat sich tatsächlich gemeldet und mir wurde lapidar mitgeteilt, dass ich da wohl etwas falsch verstanden hätte. Mist – mein Plan ist also nicht aufgegangen. Und ich hatte schon davon geträumt, dass meine Mitarbeiter und ich ein paar Jahre kostenlos zur Cebit fahren können :-)

 

Wir sind grundsätzlich GERNE bereit eine gute Lösung für den Kunden zu finden – und das tun wir i.d.R. auch :-). Wir sind auch gerne bereit finanzielle Abstriche zu machen oder etwaige Entwicklungskosten auf einen späteren Auftrag anzurechnen. Aber was um alles in der Welt denkt sich ein so großes Unternehmen bei solchen Anfragen? Halten die sich für besonders privilegiert? Aus diesem Grund beteiligen wir uns schon lange nicht mehr an solchen Ausschreibungen.

 

Dass es auch anders geht, habe ich in vielen anderen Projekten erfahren. Denn es gibt durchaus noch Kunden, die bereit sind für eine gute Lösung auch Geld in die Hand zu nehmen. Und das halte ich (gerade auch beim Umgang zwischen kleinen und großen Unternehmen) für fair! Und das ist die Basis dafür, dass es die ‘Kleinen’ auch in ein paar Jahren noch gibt.

P.S.: Typisch Einkauf ist wohl auch, dass in der Mail (im CC) ALLE! Mitbewerber aufgeführt waren. D.h. ich konnte genau sehen, an wen die Mail noch gegangen ist. Ich glaube das ist Absicht – damit wollen die uns Anbieter aufeinander hetzen und gegeneinander aufstacheln. Wie stümperhaft!

Vielleicht2019-09-04T12:09:08+02:00
10 02, 2012

Drei Kategorien

2019-09-04T12:09:08+02:00

Zwischen Abitur und Studium habe ich bei einem großen Energiekonzern als Aushilfe gearbeitet. Ich wurde zu einem sehr eigenwilligen Mitarbeiter der mittleren Managementebene ins Büro gesteckt. Seine erste Amtshandlung in unserer Zusammenarbeit war mir zu erklären, welche Arten von Menschen es im Unternehmen gibt. “Es gibt Dackel, Psychopaten und solche die Einfluss auf meinen Gehalt haben” sagte er. “Und genau so muss man sie auch behandeln”.

 

Ich war – neben anderen Hilfstätigkeiten – auch seine ‘Telefondame’ und hatte also die Aufgabe, ihm die Dackel und die Psychopaten vom Hals zu halten. Diejenigen aber, die Einfluss auf seinen Gehalt hatten, musste ich sehr bevorzugt behandeln! Er hat zu mir gesagt: “Herr Nägele – wenn sie das Telefon abnehmen, dann wiederholen Sie laut den Namen des Anrufers und schauen zu mir”.”Wenn ich nicke, dann stellen Sie in zu mir durch – wenn ich aber mit dem Kopf schüttele (wenn also ein Dackel oder Psychopath am anderen Ende der Leitung war :-), dann sagen sie einfach, dass ich nicht da bin”.

 

Ich habe sehr schnell festgestellt, dass es ungleich mehr Dackel und Psychopaten als Gehaltsbeeinflusser im Unternehmen gab. Dies hatte zur Folge, dass ich quasi den ganzen Tag gelogen habe. Das habe ich auch getan – und zwar genau drei Tage lang. Dann aber hat mich mein schlechtes Gewissen gepackt und ich habe meinen Chef zum Gespräch gebeten. Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich zukünftig nicht mehr lügen würde – aber er hat mir nicht geglaubt und weiter auf die (für ihn bewährte) Vorgehensweise bestanden. Nachdem ich ihn aber ein paar Mal ins Messer habe laufen lassen (und er es satt hatte, ständig mit Dackeln und Psychopathen zu telefonieren), hat er mich zum Gespräch gebeten – und es kam zum Machtkampf – den ich gewonnen habe. Ich habe ihm nämlich mitgeteilt, dass er mich dann entlassen müsse – mit der Begründung, dass ich NICHT lügen wolle. Und das war sogar ihm nicht ganz einleuchtend :-).

 

Ich habe ihm denn folgenden ‘Kompromiss’ vorgeschlagen: Direkt neben dem Schreibtisch meines Chefs stand ein großer Schrank. Und dahinter sollte er sich immer dann verdrücken, wenn ein Mensch der Kategorie ‘Dackel’ oder ‘Psychopath’ anrief. Ich nannte also laut den Namen und er stand auf und ging hinter den Schrank. Dann konnte ich wahrheitsgemäß sagen: “Ich sehe Herrn H. gerade nicht – kann ich ihm was ausrichten?”. Damit haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: ich musste nicht mehr lügen – und er konnte etwas für seine Fitness tun. Denn bewegt hat er sich ab da schon sehr viel :-)

 

Wir haben übrigens noch mehr als drei Jahr GUT zusammengearbeitet und irgendwie hat ihn meine Sturheit wohl auch beeindruckt – denn gleich nach dieser Aktion hat er mir das Du angeboten. Aber damals habe ich für mich beschlossen, dass ich NIEMALS in einem Großkonzern arbeiten möchte! :-)

Drei Kategorien2019-09-04T12:09:08+02:00
23 01, 2012

Hunger

2019-09-04T12:09:09+02:00

Ich sitze auf meinem ‘Chefsessel’ und schaue auf die Uhr – es ist kurz vor 12:00 Uhr. Der Blick auf die Tageskarte des kleinen Restaurants um die Ecke zeigt mir: Heute gibt es Käsespätzle. Eigentlich ganz lecker – aber halt nur eigentlich. Denn ich verspüre keinen wirklichen Hunger. Es ist mehr zur Routine geworden – und die heißt: 12:00 Uhr : Nahrungsaufnahme! Meine Gedanken schweifen ab – und ich erinnere mich an meine Kindheit.

 

Mein Vater hatte einen kleinen Handwerkerbetrieb – er war Fliesenlegermeister. In dem Dorf aus dem ich komme und in den Dörfern rund herum war klar: wenn es für einen Fliesenleger etwas zu tun gab, dann holte man meinen Vater. In den Ferien und meist auch samstags (ja – damals war der Samstag zumindest noch ein halber Arbeitstag!) ‘durfte’ ich mit. Und weil die Dörfer nicht weit auseinander lagen, konnten wir meistens zum Essen nach Hause – zu Mama. Was für eine schöne Erinnerung!

 

Spätestens gegen 11:00 Uhr war es dann soweit. Ich bekam ‘schrecklichen’ Hunger. Und ich habe mir dann immer überlegt, was die Mama wohl gekocht hat. Das Knurren meines Magens kann ich mir noch genau vorstellen – und es kribbelt noch heute wenn ich daran denke. Zur Mittagszeit – und zuhause angekommen – atmete ich schon an der Haustüre tief ein – ich versuchte herauszufinden was wohl auf dem Herd stand. Meine Mama kochte hervorragend – aber ich muss trotzdem zugeben: das Essen war nicht immer nach meinem Geschmack. Aber mein großer Hunger machte mich weniger wählerisch. Es gab auch nicht jeden Tag Fleisch. Dafür aber war meine Freude umso größer, wenn es dann doch Spätzle, Soße und ein schönes Stück Fleisch gab. Und wie heute weiß ich noch, mit welchem Genuss ich dann gegessen habe – das war eine echte Freude und hatte jedes Mal etwas von einem Fest.

 

Und heute? Tja – heute schaue ich auf die Uhr – es geht ins Restaurant oder in die Kantine. Ich kann wählen zwischen mind. 10 Gerichten und – auch wenn es lecker schmeckt – es ist nicht so wie früher. Schade eigentlich – und irgendwie vermisse ich das.

Hunger2019-09-04T12:09:09+02:00
10 01, 2012

Insidergeschäfte

2019-09-04T12:09:09+02:00

Vor ca. 3 Jahren rief mich ein Mitarbeiter eines großen Telekommunikationsunternehmens aus München an. Er teilte mir mit, dass er aus einem Projekt noch zwei – für damalige Verhältnisse – riesengroße TFT-Displays (65″) ‘übrig’ hätte und diese gerne verkaufen möchte. Mehrere Versuche die Displays selbst zu veräußern waren wohl gescheitert. Der Straßenpreis für so ein Gerät lag damals bei ca. 6.500 Euro – er hat mir die Teile für 2.000 Euro angeboten (die mussten wohl dringend weg). Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich zwar keine Interesse an einem Kauf hätte – mir aber vorstellen könnte, dass ich die Displays bei meinem nächsten Newsletter zu einem Preis von 5.500 Euro anbieten würde. Er zeigte sich erfreut und ich dachte so bei mir: »Nägele – Du hast nichts zu verlieren. Aber die Teile kauft sowieso kein Schwein«. So zumindest dachte ich…

 

Ich habe also den Newsletter fertig gemacht und verschickt. Und – wie es der Zufall so will, klingelte (keine 2 Stunden nach dem Versand) mein Telefon. Der Mann am anderen Ende teilte mir mit, dass er Interesse am Kauf hätte und ich habe ihm ein Angebot gemacht. 20 Minuten später hatte ich die Bestellung auf dem Tisch. Bis hierher eigentlich nichts Ungewöhnliches. Bis hierher. Aber jetzt passen Sie mal Achtung :-).

 

Ich greife also zum Hörer, rufe den Verkäufer an und teile ihm mit, dass ich ‘seine’ Displays verkauft habe. Die Bestellung legte ich ihm auch aufs Fax. Er fragte mich noch nach der Lieferadresse, damit er den Versand veranlassen könne. Ich hab ihm dann gesagt (ungelogen und wortwörtlich): »Herr G… – stehen Sie bitte von Ihrem Stuhl auf, gehen Sie aus dem Zimmer und dann zwei Türen weiter. Dort fragen Sie einfach nach Ihrem Kollegen Herr L… und da können Sie die Monitore auch hin liefern«. Ja – ein Kollege von dem Verkäufer hatte die Displays tatsächlich erworben :-). Ich habe flugs die Rechnung über 11.500 Euro geschrieben (natürlich habe ich den Versand extra mit jeweils 250 Euro berechnet) – eine Rechnung über 4.000 Euro erhalten und sonst hatte ich NICHTS mit der Sache zu tun.

 

Das nenne ich mal ein ‘echtes’ Insidergeschäft! Im Nachhinein habe ich erfahren, dass die beiden sogar eine Fahrgemeinschaft hatten und quasi JEDEN Tag miteinander zur Arbeit gefahren sind. Keine Ahnung über was die da gesprochen haben – aber sicher nicht über ihre Arbeit. Warum auch? Und wenn ich so darüber nachdenke, dann kommt es mir wieder in den Sinn: Großkonzerne sind manchmal schon eine feine Sache. Aber halt nur manchmal ;-)

Insidergeschäfte2019-09-04T12:09:09+02:00
10 11, 2011

Leichen im Keller

2019-09-04T12:09:09+02:00

Einen erstaunlichen Anruf erhielt ich vor ca. 2 Jahren. Ein EDV-Mensch (wohl in einer etwas höheren Position – sein Name war Herr B…) war am anderen Ende der Leitung. Er rief von München aus an – aus dem Haus eines großen Versicherungskonzerns.

 

B..: »Grüß Gott Herr Nägele – ich möchte Ihnen gerne ein paar Terminals verkaufen«

ich: »Sie meinen wohl ‘kaufen’ – nicht ‘verkaufen’. Oder?«

B..: »Nein – ich meine schon ‘verkaufen’. Wir haben vor ca. 4 Jahren (in Worten VIER!) bei Ihnen 5 Terminalsysteme gekauft. Die sind nun originalverpackt und unbenutzt bei uns im Keller ‘aufgetaucht’«

ich: »Warum waren die Terminals denn abgetaucht? fragte ich schnippisch – wurden sie polizeilich gesucht?«

 

Während des Gesprächs hatte ich den Datensatz des Kunden aufgerufen und tatsächlich. Die Versicherung hatte ein paar Jahre zuvor 5 Terminals gekauft. Aber nicht von der Stange – sondern RICHTIG aufwändige (und deshalb auch teure) Systeme mit allem Schnickschnack (WebCam, Kartenleser, spezieller Drucker und viele Dinge mehr). Und ich konnte mich auch noch an den Auftrag erinnern. Wir haben uns echt total verausgabt, denn die Terminals mussten damals GANZ SCHNELL geliefert werden, weil der Kunde sie UNBEDINGT brauchte.

Und jetzt wusste ich auch warum. Die brauchten die Geräte, um den freigewordenen Platz in ihrem Keller damit zu bestücken. Und dieser wichtige Einsatzzweck leuchtete mir dann auch sofort ein :-). Nun also wollte der Herr B…, dass ich die Terminals wieder zurückkaufe. Wahrscheinlich brauchte er den Platz im Keller für neue Lagerware.

 

B..: »Ich würde Ihnen die Geräte für 70% des damaligen Preises überlassen« (An seiner Stimme konnte ich hören, dass er das ernst meinte und er sich sicher war, dass ich das Angebot nicht ausschlagen kann).

ich: »Herr B… – ich will nicht unhöflich sein. Aber 4 Jahre sind in der EDV eine SEHR lange Zeit. Die Rechnersysteme sind veraltet und auch der Rest wird durch die (sicher artgerechte) Haltung in Ihrem Keller nicht wirklich besser. Außerdem handelt es sich bei den Terminals um Sonderentwicklungen für Ihr Haus. Damit kann kein anderer Kunde wirklich etwas anfangen. Ich gebe Ihnen 100 Euro pro Gerät und lasse die Teile kostenneutral für Sie abholen. Dann entstehen Ihnen keine weiteren Kosten für die Entsorgung«

Von da an kippte die Aussprache meines Gesprächspartners ins bayrische und wurde derber. Ich meine das Wort “Halsabschneider” gehört zu haben. Aber das war mir egal :-). Zum Schluss sagte er noch etwas von “nie mehr einen Auftrag von uns” – und dann legte er auch schon auf.

Telefon: »Tuuuut – tuuuut – tuuuut«

 

Das Schöne an so großen Unternehmen ist aber, dass die Menschen ihre Position sehr schnell wechseln und auch sehr schnell vergessen. Wir haben inzwischen weitere Aufträge bekommen. Und ich gehe fest davon aus, dass die Teile noch immer im Keller stehen.

Leichen im Keller2019-09-04T12:09:09+02:00