Meine Entscheidung

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Es ist heiß – sehr heiß. Ich bekomme die Ausschreibung eines (halb-)staatlichen Unternehmens auf den Tisch. 60 (in Worten SECHZIG!) Seiten Vertragswerk für ein paar läppische Terminals. Und irgendwie kommt mir die Ausschreibung bekannt vor. Ich greife zum Telefon und rufe den auf den Unterlagen benannten Ansprechpartner an. Auf meine Anfrage erklärt er mir, dass es sich um die Wiederholung einer alten Anfrage handele.

Und ich erinnere mich. Vor ca. 2 Jahren habe ich die Ausschreibung schon einmal bekommen. Ich habe Zeichnungen erstellt, habe viele Telefonate mit dem potentiellen Auftraggeber geführt. Ich habe das komplette Vertragswerk durchgearbeitet und gewissenhaft ausgefüllt. Fast eine komplette Woche meines Lebens war ich beschäftigt. Mit dem Ergebnis, dass Teile meiner Zeichnungen und Verbesserungsvorschläge in die Ausschreibung eingeflossen sind.

Ein „ganz günstiger Anbieter“ hat dann den Zuschlag erhalten. So zumindest die damalige Aussage des Einkäufers. Ich frage nach, warum es dann damals nicht zur Umsetzung gekommen ist. „Nun“, sagt mir der Kollege am Telefon lapidar, „der damalige Auftragnehmer hat Insolvenz angemeldet und sich ins Ausland abgesetzt“.

Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Und meine Lust zum erneuten Ausfüllen der Unterlagen ebenso. Also mache ich dem Einkauf zwei Alternativvorschläge – nämlich a) Ich fülle dieses Mal zunächst nur das Preisblatt aus und spare mir erst einmal den Rest. Oder b) ich werfe die Unterlagen in den Papierkorb und verbringe die gewonnene Zeit mit meiner Tochter im Freibad.

Lange Zeit keine Reaktion. Dann – kurz vor Ablauf der Abgabefrist – kommt eine Mail (ich vermute mal, dass es dieses Mal nicht viele ‚Bewerber‘ gab). Mir wird mitgeteilt, dass ich – wenn ich an der Ausschreibung teilnehmen wolle – die kompletten Unterlagen durcharbeiten und erneut ausfüllen müsse. Oder aber ich müsse mich für die Alternative ‚b)‘ entscheiden.

Ich habe dann meine Tochter zu mir gerufen und wir haben ein Selfie gemacht. Ich weilte nämlich just zum damaligen Zeitpunkt im Freibad. Dann habe ich dem Kollegen aus dem Einkauf die folgende Antwort geschickt: „Angehängtem Foto können Sie meine Entscheidung entnehmen“. Seitdem herrscht Funkstille 🙂