Geht doch…

Im Herbst 2004 – ich befand mich gerade auf einer Messe in Frankfurt – bekamen wir eine Anfrage von einem großen Unternehmen aus der Luftfahrtbranche über ca. 80 Terminalsysteme. Conny rief also auf meinem Handy an und fragte mich, ob wir da überhaupt anbieten sollen. Ich teilte Connys Bedenken – und habe daher gesagt, sie solle nicht lange nachdenken über Preise und Sonderkonditionen und was auch immer. Sie solle einfach ein Angebot abgeben und die Sache dann schnell vergessen. Normalerweise ist das nämlich so, dass sich solche Aufträge irgendein Großer aus der Branche ‘holt’ – und man nur als ‘Wettbewerbsfutter’ mitmischen darf. D.h. die brauchen – für die interne Revision – ein paar Gegenangebote um auf der sicheren Seite zu sein. Manchmal ist der Auftrag sogar bereits vergeben. So zumindest meine Erfahrungen und Eindrücke bei Großprojekten.

 

Das Telefonat mit Conny muss so gegen 10:00 Uhr gewesen sein. Ich hatte die Angelegenheit bereits wieder vergessen – als gegen 11:30 Uhr mein Handy wieder klingelte. Conny teilte mir mit, dass soeben die Bestellung des Kunden per Fax gekommen sei. Ich war baff – und zunächst auch der Meinung, dass das nur ein Irrtum sein kann. Aber es war tatsächlich so – wir hatten den Auftrag bekommen! Ich verstand die Welt nicht mehr – doch nun gab es ein neues Problem – denn wir konnten den Auftrag gar nicht komplett vorfinanzieren.

 

Was tun? Na ja – dachte ich – einfach sagen wie es ist! Also habe ich am nächsten Tag den Hörer in die Hand genommen und den Einkäufer angerufen. Ich habe die Karten auf den Tisch gelegt und ihm gesagt, dass wir nicht in der Lage wären das komplette Projekt vorzufinanzieren. Und was sagt der Mensch am anderen Ende der Leitung? Er sagt doch tatsächlich (wortwörtlich!): “Schreiben Sie uns bitte die Rechnung – wir bezahlen den kompletten Betrag”. Ich konnte das nicht glauben – aber – wir haben die Rechnung geschrieben. Doch nun gab es wieder ein weiteres Problem. Wenn der Kunde nicht zeitnah bezahlen würden, dann hätten wir trotzdem ca. EUR 40.000,– Vorsteuer ans Finanzamt abführen müssen. Und das hätte uns zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich das Genick gebrochen.

 

Doch – nach zwei schlaflosten Nächten war das GANZE Geld (immerhin ca. EU 300.000,–) unserem Konto gutgeschrieben. Wie habe ich diesen Kontoauszug geliebt – ich habe mir davon eine FARB-Kopie gemacht, die ich bis heute in Ehren halte 🙂 Bis zur Auslieferung sind dann noch mal locker 8 bis 10 Wochen vergangen. Aber wir haben alles gut hingekriegt und der Auftrag war ein voller Erfolg. Der Kunde war zufrieden – und ich erst mal…