Die etwas andere Sicht… 2017-12-19T16:06:35+00:00

Die etwas andere Sicht der Dinge

Diesen Mono(B)log führe ich mehr oder weniger (eher weniger) regelmäßig. Ich gebe Gedanken und Erlebnisse aus dem Unternehmensalltag sowie Geschichten aus dem Nähkästchen zum Besten. Außerdem blicke ich hin und wieder zurück und vergleiche – früher zu heute. Aber auch Dinge aus dem aktuellen Geschehen greife ich auf. Die Ausführungen spiegeln ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und erheben KEINEN Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch :-).

Die Leser haben keine direkte Möglichkeit auf einzelne Einträge zu antworten. Wer unbedingt seinen Senf dazugeben will, kann das unter »tagebuch [at] werkstation.de« gerne tun. Allerdings behalte ich mir vor, Inhalte dieser Mails zu ignorieren oder zu zitieren.

16.08.2015 – Gut oder genial?

Gute Chefs bauen gerne und verkaufen gewinnbringend. Geniale Chefs wollen eine Gemeinschaft bauen, die gut funktioniert. Mit erfüllten und geeinten Mitarbeitern, die gerne bauen und wunderbare Dinge gewinnbringend verkaufen.

Guten Chefs geht es vor allem um Produkt und Profit. Genialen um Menschen, um das Team, darum eine Kultur zu schaffen. Werte zu setzen, wonach die Kultur sich richtet. Sie glauben, dass gute Produkte und Profit daraus entstehen und nachhaltig über Generationen hinweg weiterfließen. Der geniale Chef kümmert sich mehr um die Menschen als um die Sache. Sein Hauptaugenmerk liegt also darauf, den Visionstank seiner Mitarbeiter zu füllen. Er will eine Einheit schaffen und erhalten. Er will motivieren und begeistern.

Ich wünsche mir sehr, dass ich ein genialer Chef bin – aber das bin ich wahrlich nicht immer. Und doch bin ich guter Hoffnung, dass es mir jeden Tag ein Stück weit mehr gelingt…

16.04.2015 – Die wahren Luxüsse…

Früher dachte ich: Luxus hat etwas mit Geld und Besitz zu tun. Heute sehe ich das anders. Luxus ist Lebensqualität. Und ich stelle fest, dass ich da ein gesegneter Mensch bin. Denn es gibt viele Luxüsse (ist das eigentlich der Plural von Luxus? 🙂 in meinem Leben die ich inzwischen SEHR zu schätzen weiß und auch genießen kann.

Luxus 1: ich habe KEINEN Wecker. Ich bin der Chef in der Firma und niemand regt sich auf wenn ich später zur Arbeit komme. Niemand schreibt mir vor wann ich in der Firma zu sein habe. Niemand beobachtet mein Zeitkonto. Ich bin frei. Das entbindet mich nicht von meiner Verantwortung gegenüber meiner Familie, meiner Firma und meinen Mitarbeitern. Aber es entspannt den Aufstehprozess ungemein 🙂

Luxus 2: Die Werkstation liegt nur ca. 3 km von meinem Wohnort entfernt. Ich braucht also maximal 5 Minuten von zuhause zum Büro. Es gibt keine Ampeln auf der Strecke und einen Stau hatte ich auch noch NIE!

Doch der wohl größte Luxus ist: Ich habe Spaß an dem was ich tue. Ich gehe gerne zur Arbeit. Ich empfinde eine große Freude an mein Tun. Und auch mit dem ‘Ergebnis’ bin ich meistens zufrieden. Das liegt aber nicht nur daran, dass es oft gut ist (aber eben nicht immer). Nein – ich bin auch mit wenig(er) zufrieden. Und das macht die Sache einfacher 🙂

17.12.2014 – Die Macht der Bilder…

Bilder haben Macht. Und prägen Menschen nachhaltig. Das beweisen Studien zum Fernseh- und Internet-Konsum: TV Bilder beeinflussen so erwiesenermaßen die Fantasie – nicht nur von Kindern und Jugendlichen.

Genauso mächtig sind unsere persönlichen „Zukunfts-Bilder“. Wie wir über morgen denken, prägt das Heute. Sind unsere „Bilder“ von Angst und Resignation gezeichnet, ist es kein Wunder, dass wir schwarz sehen. Aber dafür besteht kein Anlass. Denn was momentan in der Welt passiert, war längst vorauszusehen. Und trotz aller aktuellen Hiobsbotschaften gilt es, Augenmaß zu behalten. Oder wie das Magazin ‚brand eins’ es einmal ausdrückt: „Keine Panik! Es ist schon wieder nicht das Ende.“ Darum geht’s. Nicht um blinden Optimismus. Sondern um eine gesunde Optik.

Wahr ist: Was momentan in unserer Welt passiert ist die Folge von Machthunger, Unverstand und Manipulation. Wie die Konsequenzen für uns aussehen, hängt auch davon ab, wie wir damit umgehen. Denn die ganzen Krisen können auch ihr Gutes haben. Und wieder zu mehr werteorientiertem Handeln führen. Unter der Voraussetzung: Wir haben den Mut, Fehler einzugestehen, konsequent zu handeln und nachweißlich Gescheitertes scheitern zu lassen. Denn jedes Ende birgt die Chance für einen Neuanfang – und das muss es uns wert sein.

Apropos: Wert ist es auch, sich an den wahren Wert von Weihnachten zu erinnern: Da geht ein Licht auf, als niemand damit rechnet. Und ein kleines Kind wird zum großen Vorbild für eine einleuchtende Botschaft: Hoffnung nämlich.

Es stimmt schon. Wenn in der Zukunft Hoffnung liegt, liegt Kraft in der Gegenwart.

11.05.2014 – Conchita Wurst ist mir (nicht) wurst…

Ich sitze vor dem Fernseher – Conchita Wurst gibt ihren (oder seinen?) Song zum besten. Ich bin irritiert und ertappe mich dabei, dass sich alles in mir sträubt. Und dann wird mir schlagartig klar warum das so ist. Es ist der Bart. Ein (Voll-) Bart hat nach meinem ästhetischen Empfinden in einem Frauengesicht nichts verloren.


Der oder die Wurst kann machen was sie oder er will. Doch in diesem Fall fühle ich mich förmlich gedrängt, das gut finden zu müssen. Alle jubeln und finden das toll (zumindest tun sie so). Aber das kann und will ich nicht. Ich reihe mich nicht in den Lobgesang von (fast) ganz Europa und auch nicht  in die ’12-Punkte Jubelgemeinde’ ein. Von mir gibt es 0 Punkte. Ich nehme mir das Recht zu sagen: Ich kann damit nichts anfangen und mir gefällt das überhaupt nicht.

27.04.2013 – Treibjagd in Deutschland (update 14.03.)

Gestern habe ich einen sehr persönlichen Brief von Uli Hoeneß erhalten. Ich hatte ihm ein paar Zeilen geschrieben – gleich nachdem die Vorwürfe der Steuerhinterziehung gegen ihn in der Presse aufgekommen sind. Es war mir ein Bedürfnis ihm mitzuteilen, dass ich (obwohl ich schon immer ein Werder-Fan bin) eine hohe Meinung von ihm habe. Sein fairer und teilweise schon väterlicher Umgang mit Spielern – auch oder gerade mit denen die nicht so ‘funktionieren’ – haben mich tief beeindruckt. Und was aus dem FC Bayern in sportlicher, aber auch in finanzieller Hinsicht geworden ist, verdient aufrichtigen Respekt. Das alles habe ich ihm geschrieben.


Ja – ich muss es zugeben – ich bin inzwischen schon fast ein bisschen ein Bayern-Fan geworden. Denn ich habe das Gefühl, dass – trotz den sicherlich vorherrschenden wirtschaftlichen Interessen – auch ein sehr menschlicher Geist in diesem Verein seinen Platz gefunden hat. Und ich bin mir sicher, dass nicht zuletzt dadurch auch ‘spannende’ Spielerpersönlichkeiten zu Höchstleistungen gelangt sind! Ich glaube auch, dass gerade Herr Hoeneß einen großen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen hat.


Und jetzt hat dieser Herr Hoeneß einen Fehler gemacht – und das gibt er auch unumwunden zu. Er hat reagiert wie man ihn kennt – ohne langes drum herumreden – klare Ansage: “Ich habe Mist gebaut – ich habe einen Fehler gemacht”. Und er will die Sache – zumindest finanziell – wieder ‘in Ordnung’ bringen. Schon in diese Reaktion unterscheidet er sich von vielen anderen ‘Sündern’ – seien es nun Plagiatoren oder sonstige prominente Steuersünder.


Menschen sind Mängelwesen. Menschen machen Fehler. Auch das habe ich ihm geschrieben. Als ehemaliger Bundespolizist und Vater eines sehr jungen und leidenschaftlichen Polizisten habe ich schon von berufs wegen ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Und ich bin auch dafür, dass Fehlverhalten Konsequenzen nach sich zieht – manchmal auch nach sich ziehen muss. Aber wie jetzt auf Herrn Hoeneß gezeigt wird und die Scheinheiligkeit, mit der – teilweise auch oder gerade ehemalige ‘Weggefährten’ – die Nase rümpfen und nicht mehr an seiner Seite stehen, kotzt mich an. Diese Art des Pharisäertums – diese Art von Treibjagd – beobachte ich nicht erst seit dem ‘Fall’ von Uli Hoeneß. Und wenn dann im ZDF ein Oliver Pocher als moralische Instanz bei Günther Jauch herangezogen wird, finde ich das schon sehr traurig…


Herr Hoeneß wird die Folgen seines Handelns tragen müssen. Und er muss sie ganz alleine tragen. Ob strafrechtliche Konsequenzen daraus erwachsen, muss die Staatsanwaltschaft oder ein Richter entscheiden. Das hängt u.a. auch davon ab, ob seine Selbstanzeige rechtzeitig erfolgte und vollständig war. Aber unabhängig davon wird das Leben und die Person Uli Hoeneß nie mehr so sein wie vorher. Er bezahlt einen hohen persönlichen Preis – zusätzlich bezahlt er seine hinterzogenen Steuern mit Zinsen. Und da braucht es ganz sicher nicht auch noch unsere Anklage.


Mir fällt dazu eine Geschichte aus der Bibel ein. Johannesevangelium (Kapitel 8) – Dort bringen die Pharisäer eine Ehebrecherin zu Jesus und wollen sie öffentlich steinigen. Jesus gesteht ihnen das auch zu und ermuntert die Pharisäer, mit der Steinigung zu beginnen. Er hat nur eine ‘Bedingung’ – er sagt: “Wer unter euch ohne Sünde/Schuld ist, der werfe den ersten Stein auf sie”. Die Frau bleibt unversehrt – kein Stein wird geworfen – alle Pharisäer gehen (von Ihrem Gewissen überführt!) weg.


Wer noch nie einen Fehler begangen hat – wer also unfehlbar ist, der darf jetzt den ersten Stein auf Herrn Hoeneß werfen. Ich kann es nicht – ich muss weggehen!

Der Inhalt ist nur für meine ‘OhrenAugen’ bestimmt. Deshalb habe ich ihn auch unkenntlich gemacht 🙂


Update – 14,03.2014: Das Urteil zur Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß ist gesprochen – und es spaltet die Nation. Auch ich habe lange mit mir gerungen. Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Der Polizist in mir auf der einen – und der Uli Hoeneß Fan auf der anderen Seite.


Doch ganz gleich ob das Urteil gerecht, angemessen oder übertrieben ist. Das ist jetzt nicht mehr wichtig. Irrelevant ist jetzt auch die Frage ob die Selbstanzeige nicht doch rechtzeitig und vollständig war. Uli Hoeneß hat das Urteil heute akzeptiert. Er sagt unumwunden: “Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich.”. Durch diese Entscheidung und seine Bereitschaft die vollen Konsequenzen seiner Handlungen zu tragen, beweist er einmal mehr, dass er einen Arsch in der Hose hat! Im Gegensatz zu den vielen ‘prominenten’ Plagiatoren, den zahlreichen Steuersündern, den Kindernacktbilderbeziehern oder den Betäubungsmittelkonsumenten handelt er am Ende gradlinig und schnörkellos.


Ich fände es richtig, wenn der zuständige Staatsanwalt nun auch auf die Revision verzichtet. Denn jetzt ist es gut – und alles weitere wäre nach meinem Empfinden reine Effekthascherei. Ich wünsche mir, dass Uli Hoeneß nach seiner Haftstrafe vorbehaltlos zurückkommen darf in das Leben. Ich bin der Meinung das hat er verdient. Das hat jeder Mensch verdient!