Die etwas andere Sicht… 2017-10-06T11:54:07+00:00

Die etwas andere Sicht der Dinge…

Der Werkstation Mono(B)log

Diesen Mono(B)log führe ich mehr oder weniger (eher weniger) regelmäßig. Ich gebe Gedanken und Erlebnisse aus dem Unternehmensalltag sowie Geschichten aus dem Nähkästchen zum Besten. Außerdem blicke ich hin und wieder zurück und vergleiche – früher zu heute. Aber auch Dinge aus dem aktuellen Geschehen greife ich auf. Die Ausführungen spiegeln ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und erheben KEINEN Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch :-).

 

Die Leser haben keine direkte Möglichkeit auf einzelne Einträge zu antworten. Wer unbedingt seinen Senf dazugeben will, kann das unter »tagebuch [at] werkstation.de« gerne tun. Allerdings behalte ich mir vor, Inhalte dieser Mails zu ignorieren oder zu zitieren.

11.05.2014 – Conchita Wurst ist mir (nicht) wurst…

Ich sitze vor dem Fernseher – Conchita Wurst gibt ihren (oder seinen?) Song zum besten. Ich bin irritiert und ertappe mich dabei, dass sich alles in mir sträubt. Und dann wird mir schlagartig klar warum das so ist. Es ist der Bart. Ein (Voll-) Bart hat nach meinem ästhetischen Empfinden in einem Frauengesicht nichts verloren.


Der oder die Wurst kann machen was sie oder er will. Doch in diesem Fall fühle ich mich förmlich gedrängt, das gut finden zu müssen. Alle jubeln und finden das toll (zumindest tun sie so). Aber das kann und will ich nicht. Ich reihe mich nicht in den Lobgesang von (fast) ganz Europa und auch nicht  in die ’12-Punkte Jubelgemeinde‘ ein. Von mir gibt es 0 Punkte. Ich nehme mir das Recht zu sagen: Ich kann damit nichts anfangen und mir gefällt das überhaupt nicht.

27.04.2013 – Treibjagd in Deutschland (update 14.03.)

Gestern habe ich einen sehr persönlichen Brief von Uli Hoeneß erhalten. Ich hatte ihm ein paar Zeilen geschrieben – gleich nachdem die Vorwürfe der Steuerhinterziehung gegen ihn in der Presse aufgekommen sind. Es war mir ein Bedürfnis ihm mitzuteilen, dass ich (obwohl ich schon immer ein Werder-Fan bin) eine hohe Meinung von ihm habe. Sein fairer und teilweise schon väterlicher Umgang mit Spielern – auch oder gerade mit denen die nicht so ‚funktionieren‘ – haben mich tief beeindruckt. Und was aus dem FC Bayern in sportlicher, aber auch in finanzieller Hinsicht geworden ist, verdient aufrichtigen Respekt. Das alles habe ich ihm geschrieben.


Ja – ich muss es zugeben – ich bin inzwischen schon fast ein bisschen ein Bayern-Fan geworden. Denn ich habe das Gefühl, dass – trotz den sicherlich vorherrschenden wirtschaftlichen Interessen – auch ein sehr menschlicher Geist in diesem Verein seinen Platz gefunden hat. Und ich bin mir sicher, dass nicht zuletzt dadurch auch ’spannende‘ Spielerpersönlichkeiten zu Höchstleistungen gelangt sind! Ich glaube auch, dass gerade Herr Hoeneß einen großen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen hat.


Und jetzt hat dieser Herr Hoeneß einen Fehler gemacht – und das gibt er auch unumwunden zu. Er hat reagiert wie man ihn kennt – ohne langes drum herumreden – klare Ansage: „Ich habe Mist gebaut – ich habe einen Fehler gemacht“. Und er will die Sache – zumindest finanziell – wieder ‚in Ordnung‘ bringen. Schon in diese Reaktion unterscheidet er sich von vielen anderen ‚Sündern‘ – seien es nun Plagiatoren oder sonstige prominente Steuersünder.


Menschen sind Mängelwesen. Menschen machen Fehler. Auch das habe ich ihm geschrieben. Als ehemaliger Bundespolizist und Vater eines sehr jungen und leidenschaftlichen Polizisten habe ich schon von berufs wegen ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Und ich bin auch dafür, dass Fehlverhalten Konsequenzen nach sich zieht – manchmal auch nach sich ziehen muss. Aber wie jetzt auf Herrn Hoeneß gezeigt wird und die Scheinheiligkeit, mit der – teilweise auch oder gerade ehemalige ‚Weggefährten‘ – die Nase rümpfen und nicht mehr an seiner Seite stehen, kotzt mich an. Diese Art des Pharisäertums – diese Art von Treibjagd – beobachte ich nicht erst seit dem ‚Fall‘ von Uli Hoeneß. Und wenn dann im ZDF ein Oliver Pocher als moralische Instanz bei Günther Jauch herangezogen wird, finde ich das schon sehr traurig…


Herr Hoeneß wird die Folgen seines Handelns tragen müssen. Und er muss sie ganz alleine tragen. Ob strafrechtliche Konsequenzen daraus erwachsen, muss die Staatsanwaltschaft oder ein Richter entscheiden. Das hängt u.a. auch davon ab, ob seine Selbstanzeige rechtzeitig erfolgte und vollständig war. Aber unabhängig davon wird das Leben und die Person Uli Hoeneß nie mehr so sein wie vorher. Er bezahlt einen hohen persönlichen Preis – zusätzlich bezahlt er seine hinterzogenen Steuern mit Zinsen. Und da braucht es ganz sicher nicht auch noch unsere Anklage.


Mir fällt dazu eine Geschichte aus der Bibel ein. Johannesevangelium (Kapitel 8) – Dort bringen die Pharisäer eine Ehebrecherin zu Jesus und wollen sie öffentlich steinigen. Jesus gesteht ihnen das auch zu und ermuntert die Pharisäer, mit der Steinigung zu beginnen. Er hat nur eine ‚Bedingung‘ – er sagt: „Wer unter euch ohne Sünde/Schuld ist, der werfe den ersten Stein auf sie“. Die Frau bleibt unversehrt – kein Stein wird geworfen – alle Pharisäer gehen (von Ihrem Gewissen überführt!) weg.


Wer noch nie einen Fehler begangen hat – wer also unfehlbar ist, der darf jetzt den ersten Stein auf Herrn Hoeneß werfen. Ich kann es nicht – ich muss weggehen!

Der Inhalt ist nur für meine ‚OhrenAugen‘ bestimmt. Deshalb habe ich ihn auch unkenntlich gemacht 🙂


Update – 14,03.2014: Das Urteil zur Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß ist gesprochen – und es spaltet die Nation. Auch ich habe lange mit mir gerungen. Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Der Polizist in mir auf der einen – und der Uli Hoeneß Fan auf der anderen Seite.


Doch ganz gleich ob das Urteil gerecht, angemessen oder übertrieben ist. Das ist jetzt nicht mehr wichtig. Irrelevant ist jetzt auch die Frage ob die Selbstanzeige nicht doch rechtzeitig und vollständig war. Uli Hoeneß hat das Urteil heute akzeptiert. Er sagt unumwunden: „Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich.“. Durch diese Entscheidung und seine Bereitschaft die vollen Konsequenzen seiner Handlungen zu tragen, beweist er einmal mehr, dass er einen Arsch in der Hose hat! Im Gegensatz zu den vielen ‚prominenten‘ Plagiatoren, den zahlreichen Steuersündern, den Kindernacktbilderbeziehern oder den Betäubungsmittelkonsumenten handelt er am Ende gradlinig und schnörkellos.


Ich fände es richtig, wenn der zuständige Staatsanwalt nun auch auf die Revision verzichtet. Denn jetzt ist es gut – und alles weitere wäre nach meinem Empfinden reine Effekthascherei. Ich wünsche mir, dass Uli Hoeneß nach seiner Haftstrafe vorbehaltlos zurückkommen darf in das Leben. Ich bin der Meinung das hat er verdient. Das hat jeder Mensch verdient! 

06.02.2013 – Grippewelle

Eine Grippewelle rollt über Deutschland hinweg. Die Wartezimmer sind überfüllt. Auch mich hat es erwischt. Ich bin schlapp – müde – die Glieder schmerzen – Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Ich gehe sofort zum Arzt und hoffe er verschreibt mir etwas, was mich schnellstmöglich wieder ‚einsatzbereit‘ macht. Denn – ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen. Krank sein ist heute negativ belegt. Man leistet nichts – drückt sich – lässt die Kollegen im Stich. Und dann ist da auch noch die Angst, dass man etwas verpasst oder am Ende gar entbehrlich wird.


Ich besuche einen guten Freund. Wir treffen uns alle paar Wochen zum Gespräch – wir reden so über dies und das und ich mag es sehr, dass er mein Leben aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und mir auch so manchen guten Rat geben kann. „Wie geht es Dir“?, fragt er mich. „Ich bin krank“, sage ich geknickt und beschreibe ihm meine Symptome. „Schön“, sagt er. „Genießt Du das auch“? „Genießen“? – frage ich überrascht. „Ja“, sagt er und fährt fort: „Ich war vor zwei Wochen auch krank – und ich habe es genossen“. „Meine Frau hat mich umsorgt und verwöhnt, meine Kinder haben mich unterstützt. Ich musste keine Termine wahrnehmen, keine anstrengenden Telefonate führen“. Und dann sagte er – mit einem breiten Lächeln im Gesicht: „Ich habe krank GEFEIERT – und das hat mir richtig gut getan“.


Auf dem Nachhauseweg habe ich noch lange nachgedacht. In Gedanken bin ich zurück in meine Kindheit gegangen. Und ich konnte es förmlich spüren. Wenn ich als Kind krank war, dann war meine Mama ganz besonders fürsorglich – ganz besonders liebevoll. Sie hat mich umsorgt – sie hat mich gepflegt – und sie hat mir mein Lieblingsessen gekocht :-). Ich durfte krank ‚feiern‘ – keine Schule, keine Aufgaben im Haushalt, keine sonstigen Verpflichtungen. Ich durfte mich einfach fallen lassen und in Ruhe gesund werden!


Das fehlt (mir) heute – aber ich will das für mich wieder lernen. Denn krank wird man meistens dann, wenn Körper und Seele das brauchen. Innehalten (was für ein altmodisch anmutendes Wort), die Seele baumeln lassen, fünf gerade sein lassen und einfach krank feiern. Und ich habe mir fest vorgenommen: beim nächsten Mal ‚feiere‘ ich auch!

12.08.2012 – Ja – die Natur…

Größer, schneller, weiter… Schon einige Zeit beobachte ich, stellvertretend und verstärkt im Smartphone und Tablet-Markt, dass die Anhängerschaft dieser Geräte in regelmäßigen Abständen enttäuscht ist von ’neuen‘ Produkten. ‚Nur‘ ein größeres oder besseres Display – ’nur‘ ein schnellerer Prozessor – ’nur‘ eine Weiterentwicklung des Vorgängermodells. Die aus den hohen Erwartungen gespeiste Enttäuschung schlägt sich dann meist auch sehr schnell in sinkenden Aktienkursen nieder. Es wird gar die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens angezweifelt.


Früher war das doch noch anders. Und ich frage mich dann schon, wo das noch alles hingehen soll? Niemals zuvor wurden in so kurzer Zeit so viele bahnbrechende Neuentwicklungen vorgestellt, noch niemals war die Anzahl der zur Verfügung stehenden Ausführungen so groß – aber auch noch nie vorher war die Reaktion bei Nichterfüllung so brutal.


Und – ich gebe das offen zu – auch ich habe mich davon beeinflussen lassen – auch ich habe mich mitreißen lassen von diesem Wahn. Auch die Produktlebenszyklen bei uns wurden kürzer – die Abstände zwischen den Vorstellungen neuer Produkte immer kleiner. Und – ich war mehr und mehr gefrustet darüber, dass auch bei uns Produkte übereilt – unausgegoren und suboptimal entwickelt auf den Markt geworfen wurden. Nur um immer um vorne mit dabei zu sein. Daraus resultierte, dass wir in der Folgezeit immer mehr Zeit für das Beheben von Fehlern und die Instandsetzung von nicht ganz reibungslos funktionierenden Produkten aufbringen mussten. Die Arbeit machte weniger Spaß – war nervenaufreibend und in höchstem Maße unbefriedigend.


Diesen Frust habe ich unserem Entwicklungschef mitgeteilt und er hat – nach einer längeren Zeit des Nachdenkens – den folgenden Satz zu mir gesagt: „Die Natur braucht neun Monate für ein sehr gutes Produkt – warum bilden wir uns ein, dass wir schneller sein müssen“?. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und schlussendlich überzeugt. Und ich habe beschlossen unseren Produkten mehr Zeit zum Reifen zu geben. Außerdem halten wir länger an Bewährtem fest. Und was soll ich sagen? Wir merken immer mehr, dass uns das auf der einen Seite weniger Geld kostet, weniger Stress verursacht und unser Kunden es SEHR zu schätzen wissen, dass sie bei uns langfristig verfügbare und langlebige Produkte bekommen. Außerdem hat sich unser Serviceaufwand so stark reduziert, dass ich nur staunen kann!

11.07.2012 – Fehler

Ich bin Unternehmer – und kein Unterlasser. Ich mache Fehler – viele Fehler sogar. Und lange Zeit hatte ich damit Probleme. Denn – Fehler kosten fast immer Geld und Fehler werden in unserer Gesellschaft bestraft und nicht gefördert. Und folgerichtig geben sich alle große Mühe keine Fehler zu machen. Und das führt (leider – und gerade auch in Großunternehmen) dazu, dass man möglichst wenig tut – keine Entscheidungen mehr trifft – alles VORHER genau abwägt und möglichst wenig ausprobiert. Ideale Voraussetzungen also für einen Stillstand – und einen Burnout bei den Mitarbeitern.


Wir in der Werkstation haben dagegen ein Mittel gefunden. Es gibt bei uns schon seit ein paar Jahren ein internes Verrechnungskonto – und das heißt: Fehlerkonto. Ich habe für Fehler ein Jahresbudget von  € XX.000,– festgelegt – und nein – das genau Budget tut hier nichts zur Sache :-). Und jedes Mal wenn wir jetzt einen Fehler machen, dann schreiben wir den daraus resultierenden ‚Fehlbetrag‘ diesem Konto gut.


Und es wirkt tatsächlich. Ich bin nicht mehr gefrustet. Fast das Gegenteil ist der Fall. Ich freue mich immer wieder, wenn ich das Konto am Jahresende nicht überzogen habe. Und das war bisher noch NIE der Fall! BTW – meine Mitarbeiter können das Konto mit ihren Fehlern natürlich auch ‚belasten‘.


So ein Konto ist echt hilfreich und entlastend – und ich kann das jedem Unternehmen nur empfehlen. Denn – die begangenen Fehler machen mich auch jedes Mal a bissle schlauer – und ich werde immer etwas erfahrener. Meist stellt sich sogar heraus, dass sich durch begangene Fehler neue Wege auftun und neue Möglichkeiten ergeben. Manche Fehler führen sogar dazu, dass am Ende ein noch besseres Produkt herauskommt. Also – lasst uns viel mehr Fehler machen. Oder um es mit den Worten von Martin Luther zu sagen: „sündige tapfer“ 🙂

03.07.2012 – Das Benzin Hoffnung

Wer in der Werkstation anruft und weiterverbunden wird, hört in der Warteschleife ein besonderes Lied. Ein Kind singt „der Siebte Sinn“ von Herbert Grönemeyer. Und das kam so:


Ich habe eine Wette verloren. Mein Wetteinsatz war, dass ich o.a. Lied gesanglich und instrumental (Klavier) zum Besten geben muss.  Weil ich aber zum damaligen Zeitpunkt das Klavier seit mehr als 20 Jahre nicht mehr angefasst – geschweige denn‘ bespielt‘ hatte, hat es mich viel Zeit und Mühe gekostet das Lied zu erlernen. Aber – ich war fleißig – und übte fast jeden Tag.


Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass mein damals fünfjähriger Sohn das Lied komplett auswendig mitsingen konnte. Es gab zwar kleine textliche Abweichungen vom Original – aber insgesamt war das Ergebnis doch hörenswert und die Stimme erweicht das Herz :-). Also habe ich ihn kurzerhand zu einem Freund geschleppt. Mein Sohn hat das Lied EINMAL gesungen und wir haben es aufgenommen – und das Ergebnis ist unsere Warteschleife.


Den meisten Kunden gefällt’s – langjährige Kunden wünschen sich manchmal auch etwas Abwechslung. Mir gefällt’s auch – also wird das Lied wohl solange laufen, bis unsere Telefonanlage den Geist aufgibt.


Und wer will, kann sich das Lied hier komplett anhören – viel Spaß beim Hören 🙂

16.05.2012 – Telefonkonferenzen – das Allheilmittel

Telkos scheinen für große Unternehmen eine Art Allheilmittel zu sein. Ich nenne sie schlicht: Verbalonanie. Wenn nichts mehr geht, der Karren in den Dreck gefahren ist und keiner – aber wirklich GAR KEINER mehr weiß um was geht, dann – macht man eine Telko. Die heilige Telko-Zeremonie beginnt damit, dass man eine E-Mail bekommt – mit Datum, Uhrzeit und Einwahlnummer sowie einem Code. Dann kommt der große Tag – falls die Telko nicht ein ums andre mal verschoben wird. Und dann befindet man sich in einer ‚virtuellen Wartehalle‘. Mein Rekord waren 26 (in Worten SECHSUNDZWANZIG!) wichtige Menschen. Das war übrigens bei einem großen Telekommunikationsunternehmen!


Gestern also wähle ich mich ein – ich bin einer der ersten – und um ein Gefühl für die Anzahl der Teilnehmer zu bekommen, erzähle ich nach zwei Minuten einen Witz. An der Resonanz – dem Gelächter – kann ich erkennen, dass in etwa 6 Teilnehmer ‚anwesend‘ sein müssen. Die Telko füllt sich zuhörends und jedes Mal wenn ein neuer Teilnehmer hinzu kommt, ertönt ein Piepton. Es piepst also noch ca. 5 mal – und dann scheinen wir auch schon vollzählig zu sein (zumindest quantitativ :-). Der Rädelsführer übernimmt das Kommando und beginnt damit, die Teilnehmer zu begrüßen, vorzustellen und dann sagt er noch, dass er nur GANZ kurz Zeit hat, weil die nächste – noch wichtigere Telko – für ihn bereits in 15 Minuten beginnt. Und an den Reaktionen weiterer Teilnehmer kann ich erkennen, dass auch bei Ihnen wichtige ‚Anschlusstelkos‘ anstehen. Die Wichtigkeit in einem Großunternehmen hängt also offensichtlich mit der Anzahl der im Laufe eines Arbeitslebens bewältigten Telkos zusammen.


Ich habe – auch gestern wieder – festgestellt, dass es unterschiedliche Arten von ‚Telkonisten‘ gibt, nämlich die, die zuhören und mitmachen; die, die nur zuhören – aber nicht mitmachen; die, die weder zuhören noch mitmachen und die, die nicht nur nicht zuhören und nicht mitmachen – sondern nebenher mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind. Z.B. E-Mails beantworten, mit dem Handy telefonieren, auf den Nägeln kauen, in der Nase bohren oder was auch immer. Ich möchte nicht wissen, wer unter dessen sogar auf der Toilette sitzt. Tastaturklappern habe ich schon oft vernommen – zum Glück aber noch nicht das Geräusch einer Toilettenspülung!


Meistens (bzw. IMMER) ist man nach der Telko genau so schlau wie vorher. So auch gestern. Und deshalb habe ich auch irgendwann einfach aufgelegt, nachdem ich zuvor den Hörer ein paar Minuten bei Seite gelegt hatte.


Die Telko war wohl irgendwann zu Ende – und wie immer – begann die eigentliche Kommunikation erst dann. Denn nacheinander haben mich 5 Teilnehmer angerufen und sind hintenherum über die anderen Teilnehmer und das nicht vorhandene Ergebnis hergezogen. Und noch was ist mir aufgefallen. Keiner hat bemerkt, dass ich aufgelegt und das Ende der Telko überhaupt nicht erlebt habe!


Ich habe daher für mich beschlossen, dass ich nur noch an Telkos teilnehme, die weniger als drei Telkonisten hat. Ich bin einfach nicht multitelkotaskingfähig – da bin ich echt ‚beschränkt‘!

02.04.2012 – Geht doch…

Im Herbst 2004 – ich befand mich gerade auf einer Messe in Frankfurt – bekamen wir eine Anfrage von einem großen Unternehmen aus der Luftfahrtbranche über ca. 80 Terminalsysteme. Conny rief also auf meinem Handy an und fragte mich, ob wir da überhaupt anbieten sollen. Ich teilte Connys Bedenken – und habe daher gesagt, sie solle nicht lange nachdenken über Preise und Sonderkonditionen und was auch immer. Sie solle einfach ein Angebot abgeben und die Sache dann schnell vergessen. Normalerweise ist das nämlich so, dass sich solche Aufträge irgendein Großer aus der Branche ‚holt‘ – und man nur als ‚Wettbewerbsfutter‘ mitmischen darf. D.h. die brauchen – für die interne Revision – ein paar Gegenangebote um auf der sicheren Seite zu sein. Manchmal ist der Auftrag sogar bereits vergeben. So zumindest meine Erfahrungen und Eindrücke bei Großprojekten.


Das Telefonat mit Conny muss so gegen 10:00 Uhr gewesen sein. Ich hatte die Angelegenheit bereits wieder vergessen – als gegen 11:30 Uhr mein Handy wieder klingelte. Conny teilte mir mit, dass soeben die Bestellung des Kunden per Fax gekommen sei. Ich war baff – und zunächst auch der Meinung, dass das nur ein Irrtum sein kann. Aber es war tatsächlich so – wir hatten den Auftrag bekommen! Ich verstand die Welt nicht mehr – doch nun gab es ein neues Problem – denn wir konnten den Auftrag gar nicht komplett vorfinanzieren.


Was tun? Na ja – dachte ich – einfach sagen wie es ist! Also habe ich am nächsten Tag den Hörer in die Hand genommen und den Einkäufer angerufen. Ich habe die Karten auf den Tisch gelegt und ihm gesagt, dass wir nicht in der Lage wären das komplette Projekt vorzufinanzieren. Und was sagt der Mensch am anderen Ende der Leitung? Er sagt doch tatsächlich (wortwörtlich!): „Schreiben Sie uns bitte die Rechnung – wir bezahlen den kompletten Betrag“. Ich konnte das nicht glauben – aber – wir haben die Rechnung geschrieben. Doch nun gab es wieder ein weiteres Problem. Wenn der Kunde nicht zeitnah bezahlen würden, dann hätten wir trotzdem ca. EUR 40.000,– Vorsteuer ans Finanzamt abführen müssen. Und das hätte uns zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich das Genick gebrochen.


Doch – nach zwei schlaflosten Nächten war das GANZE Geld (immerhin ca. EU 300.000,–) unserem Konto gutgeschrieben. Wie habe ich diesen Kontoauszug geliebt – ich habe mir davon eine FARB-Kopie gemacht, die ich bis heute in Ehren halte 🙂 Bis zur Auslieferung sind dann noch mal locker 8 bis 10 Wochen vergangen. Aber wir haben alles gut hingekriegt und der Auftrag war ein voller Erfolg. Der Kunde war zufrieden – und ich erst mal…