Dieses Tagebuch führe ich mehr oder weniger (eher weniger) regelmäßig. Ich will hier Gedanken und Erlebnisse aus dem Unternehmensalltag sowie Geschichten aus dem Nähkästchen zum Besten gegeben.
Es handelt sich um ein Mono(b)logtagebuch. D.h. die Leser haben keine direkte Möglichkeit auf einzelne Einträge oder Statements zu antworten. Wer unbedingt seinen Senf dazugeben will, kann das unter »tagebuch [at] werkstation.de« gerne tun. Allerdings behalte ich mir vor, Inhalte dieser Mails zu ignorieren oder zu zitieren. Das ist schließlich MEIN Tagebuch :-).
Zum besseren Verständnis hier die handelnden (Haupt-) Protagonisten:
Frank Nägele (Chef der Werkstation - genannt »ich«) | Prof. Dr. jur Joachim Löffler (auch Chef - gennant »mein Dulles«)
Conny Faas (die gute Seele des Hauses - in Vertrieb und Organisation tätig - genannt »Conny«)
Siegfried Petermann (Cheftechniker - genannt »SIP« oder »Pitermähn«) | Oliver (Azubi - genannt »Oliver« oder »Stift«)
Alexander Stirmlinger & Volker Weiß (Chefs der Werkstation-Tochter All-Dynamics GmbH - genannt »Alex« bzw. »Volker«)
Wir haben heute eine Ausschreibung von einem Transport- und Logistikunternehmen bekommen. Die wollen GAAANZ viele Terminals kaufen. Und wie immer, sind da GAAANZ viele Zusatzpapiere (Verträge und Geheimhaltungsvereinbarungen) dabei. Insgesamt ca. (gefühlte) 50.000 Seiten :-).
Das ist ja grundsätzlich alles i.O. - aber wenn man sich diese ganzen Papiere durchliest (was ich inzwischen nicht mehr mache), dann beschleicht einen schon das Gefühl, dass die Sklaverei wieder eingeführt werden soll. Denn - ich habe u.a. den folgenden (wunderschönen) Satz in der Ausschreibung gefunden. Dort heißt es: "Im Zuge des Projektverlaufs ist es vorgesehen, eine Pilotierung der Hardware vorzunehmen. Hierzu benötigen wir ein KOSTENFREIES Leihgerät für den Pilotierungszeitraum. Für etwaige Beschädigungen die aus dem Hardwaretest entstehen könnten, übernehmen wir keine Haftung".
Ich habe natürlich sofort in die Tasten gegriffen und dem Einkauf (sinngemäß) folgende Mail geschrieben:
»Liebes Transport- und Logistikunternehmen,
wir beabsichtigen VIELLEICHT in nächsten Jahr ganz oft von Stuttgart nach Hannover zu fahren. Um hier jedoch eine Entscheidung treffen zu können, benötigen meine Mitarbeiter und ich für einen Pilotierungszeitraum kostenlose Testfahren«
Hat leider nicht geklappt :-(. Aber der Einkauf hat sich tatsächlich gemeldet und mir wurde lapidar mitgeteilt, dass ich da wohl etwas falsch verstanden hätte. Mist - mein Plan ist also nicht aufgegangen. Und ich hatte schon davon geträumt, dass meine Mitarbeiter und ich ein paar Jahre kostenlos zur Cebit fahren können :-)
Wir sind grundsätzlich GERNE bereit eine gute Lösung für den Kunden zu finden - und das tun wir i.d.R. auch :-). Wir sind auch gerne bereit finanzielle Abstriche zu machen oder etwaige Entwicklungskosten auf einen späteren Auftrag anzurechnen. Aber was um alles in der Welt denkt sich ein so großes Unternehmen bei solchen Anfragen? Halten die sich für besonders privilegiert? Aus diesem Grund beteiligen uns schon lange nicht mehr an solchen Ausschreibungen.
Dass es auch anders geht, habe ich in vielen anderen Projekten erfahren. Denn es gibt durchaus noch Kunden, die bereit sind für eine gute Lösung auch Geld in die Hand zu nehmen. Und das halte ich (gerade auch beim Umgang zwischen kleinen und großen Unternehmen) für fair! Und das ist die Basis dafür, dass es die 'Kleinen' auch in ein paar Jahren noch gibt.
P.S.: Typisch Einkauf ist wohl auch, dass in der Mail (im CC) ALLE! Mitbewerber aufgeführt waren. D.h. ich konnte genau sehen, an wen die Mail noch gegangen ist. Ich glaube das ist Absicht - damit wollen die uns Anbieter aufeinander 'hetzen' und gegeneinander aufstacheln. Wie stümperhaft!
Zwischen Abitur und Studium (ca. 1987/1988) habe ich bei einem großen Energiekonzern als Aushilfe gearbeitet. Ich wurde zu einem sehr eigenwilligen Mitarbeiter der mittleren Managementebene ins Büro gesteckt. Seine erste Amtshandlung in unserer Zusammenarbeit war mir zu erklären, welche Arten von Menschen es im Unternehmen gibt. "Es gibt Dackel, Psychopaten und solche die Einfluss auf meinen Gehalt haben" sagte er. "Und genau so muss man sie auch behandeln".
Ich war - neben anderen Hilfstätigkeiten - auch seine 'Telefondame' und hatte also die Aufgabe, ihm die Dackel und die Psychopaten vom Hals zu halten. Diejenigen aber, die Einfluss auf seinen Gehalt hatten, musste ich sehr bevorzugt behandeln! Er hat zu mir gesagt: "Herr Nägele - wenn sie das Telefon abnehmen, dann wiederholen Sie laut den Namen des Anrufers (also z.B. "Hallo Herr Müller") und schauen zu mir"."Wenn ich nicke, dann stellen Sie in zu mir durch - wenn ich aber mit dem Kopf schüttele (wenn also ein Dackel oder Psychopath am anderen Ende der Leitung war :-), dann sagen sie einfach, dass ich nicht da bin".
Ich habe sehr schnell festgestellt, dass es ungleich mehr Dackel und Psychopaten als Gehaltsbeeinflusser im Unternehmen gab. Dies hatte zur Folge, dass ich quasi den ganzen Tag gelogen habe. Das habe ich auch getan - und zwar genau drei Tage lang. Dann aber hat mich mein schlechtes Gewissen gepackt und ich habe meinen Chef zum Gespräch gebeten. Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich zukünftig nicht mehr lügen würde - aber er hat mir nicht geglaubt und weiter auf die (für ihn bewährte) Vorgehensweise bestanden. Nachdem ich ihn aber ein paar Mal ins Messer habe laufen lassen (und er es satt hatte, ständig mit Psychopathen zu telefonieren), hat er mich zum Gespräch gebeten - und es kam zum Machtkampf - den ich gewonnen habe. Ich habe ihm nämlich mitgeteilt, dass er mich dann entlassen müsse - mit der Begründung, dass ich NICHT lügen wolle. Und das war sogar ihm nicht ganz einleuchtend :-).
Ich habe ihm denn folgenden 'Kompromiss' vorgeschlagen: Direkt neben dem Schreibtisch meines Chefs stand ein großer Schrank. Und dahinter sollte er sich immer dann 'verdrücken', wenn ein Mensch der Kategorie 'Dackel' oder 'Psychopath' anrief. Ich nannte also laut den Namen und er stand auf und ging hinter den Schrank. Dann konnte ich wahrheitsgemäß sagen: "Ich sehe Herrn H. (so hieß der Chef) gerade nicht - kann ich ihm was ausrichten?". Damit haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: ich musste nicht mehr lügen - und er konnte etwas für seine Fitness tun. Denn bewegt hat er sich ab da schon sehr viel :-)
Wir haben übrigens noch mehr als zwei Jahr GUT zusammengearbeitet und irgendwie hat ihn meine Sturheit wohl auch beeindruckt - denn gleich nach dieser Aktion hat er mir das Du angeboten. Aber damals habe ich für mich beschlossen, dass ich NIEMALS in einem Großkonzern arbeiten möchte! :-)
Wir schreiben das Jahr 2003 - ein Herr K. meldet sich telefonisch bei uns. Conny nimmt den Anruf entgegen.
Herr K.: »Grüß Gott Frau Faas - kann ich bitte Herr Nägele sprechen?«
Conny: »Herr Nägele ist momentan nicht im Haus. Kann ich Ihnen weiterhelfen?«
Herr K.: (kurze Pause) »Ich bin da gerade an einem neuen Projekt dran - und dazu brauche ich noch ein paar Informationen. Außerdem möchte ich mit Herrn Nägele über die konkrete Zusammenarbeit in diesem Projekt sprechen«
Conny: »Wie gesagt - Herr Nägele ist momentan nicht im Haus. Er kommt heute Nachmittag wieder rein. Kann er Sie denn zurückrufen?«
Conny merkt, dass Herr K. a bissle herumdruckst und nicht so recht mit der Sprache herausrücken will.
Kurze Zwischenerklärung: Herr K. war Miteigentümer eines kleinen Unternehmens und bereits Kunde bei uns. Aber aufgrund der uns vorliegenden Informationen (Einzelunternehmen, gaaanz viele Gesellschafter, Firmensitz in einer Mietwohnung) und meines Bauchgefühls, haben wir bei unseren Lieferungen immer auf Vorauskasse bestanden. Zu Recht - wie sich noch zeigen sollte!
Herr K.: »Ich sitze in Untersuchungshaft und rufe Sie aus der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Gmünd an«. Und weiter sagt er: »Herr Nägele kann mich leider nicht zurückrufen - und ich habe auch nur einen Anruf pro Tag frei«
Conny: (ist zunächst sprachlos) »Ja - dann rufen Sie doch einfach Morgen noch mal an. Ich richte Herrn Nägele gerne aus, dass Sie angerufen haben«
Telefon: »Tuuuut - tuuuut - tuuuut«
Wir haben dann LANGE Zeit nichts mehr von Herrn K. gehört. Vielleicht war ihm ein Anruf bei seiner Familie oder seinem Anwalt dann doch wichtiger als seine Geschäfte. Ich persönlich hatte dafür vollstes Verständnis :-)
Als ehemaliger Polizist hat mich dieser Vorgang natürlich SEHR interessiert und ich habe a bissle recherchiert. Offensichtlich war Herr K. einige Jahre lang Geschäftsführer eines großen Unternehmens. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung haben die Gesellschafter Anzeige erstattet und Herr K. wurde (trotz nimmer endender Unschuldsbeteuerungen) zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von immerhin 18 Monaten verurteilt. D.h. es kann sich nicht nur um 'Peanuts' gehandelt haben. Denn ein Deutsches Gericht schickt niemand mal eben so für 18 Monate hinter Gitter.
Ca. 1 Jahr später kam Herr K. auf Bewährung wieder auf freien Fuß. Wir haben dann tatsächlich noch ein/zwei kleinere Geschäfte mit ihm abgewickelt (aber immer noch per Vorauskasse :-). Irgendwann ist er dann in der 'Versenkung' verschwunden. Welcher Art diese Versenkung war, kann ich nicht sagen - ich habe da aber eine Vermutung...
"Papa - das Telefon von Oma ist kaputt" sagte mir vor einiger Zeit mein damals 9-jähriger Sohn Michael. "Wie kommst Du denn darauf?" habe ich ihn gefragt. "Nun - sagte er - weil wenn ich da anrufe, dann kommt da so ein komisches Tuut-Zeichnen. Das Telefon macht ganz schnell tut-tut-tut". Ich musste lange überlegen. Und dann - quasi über Nacht - bin ich dem 'Problem' auf die Schliche gekommen. Das war das Belegtzeichen. Und mir wurde schlagartig klar, dass mein Sohn bis dahin noch NIE das Belegtzeichen gehört hatte! Er gehört zur 'Multitasking- und Makelgeneration'. D.h. man ist IMMER erreichbar und kann andere auch IMMER erreichen. Denn entweder es wird 'angeklopft' - oder man hört die Meldungen: "The person you are calling..." oder "Drücke die Taste X für einen Rückruf". Am schlimmsten aber finde ich die Dinger, die unerlaubt und ganz plötzlich selbstständig einen Rückruf veranlassen, sobald der Angerufene auflegt. Das nervt gewaltig.
Die Oma vom Michael aber hat ein Uralttelefon - ohne Display und noch mit Wählscheibe. Und wenn die Oma telefoniert, dann kann man sie nicht erreichen - sondern man hört dieses 'tut-tut-tut'. Das war früher ganz normal. Und da ist man schon auch mal verzweifelt, beim Versuch jemanden zu erreichen. Denn solange der Angerufene telefonierte, hatte man KEINE Chance sich 'dazwischen zu drängen'. Heute ist das praktisch ein Unding.
Es gab damals drei 'verschiedene' Telefonapparate von der Post (die Telekom gab es noch nicht!) - in den unwiderstehlichen Farben grau, grün und orange. Die hatten so eine drehbare Scheibe mit Zahlen von 0 bis 9. Man steckte den Finger hinein und drehte die Scheibe bis zu einem kleinen Bügelanschlag. Und wenn man sich verwählt hatte, dann musste man auflegen und noch einmal von vorne beginnen (das war besonders bei langen Nummern ganz schön nervig :-). Zu der Zeit war die Kabelanbindung alternativlos und das Telefon hatte deshalb seinen festen Platz - meist ein schmuckes Sitzkästchen. Und wenn man nach einem langen Tag nach Hause kam, dann stand das Telefon völlig unaufgeregt an seinem Platz. Man sah ihm nicht an, ob es über den Tag gar nicht oder hundert mal geklingelt hatte. Es stand einfach in der Ecke - es gab weder eine Rückrufliste noch einen Anrufbeantworter.
Und wenn man jemand unbedingt erreichen wollte, dann versuchte man es später einfach noch einmal. Aber oft hat sich das 'Problem' ganz von alleine erledigt und ein erneuter Anruf erübrigte sich. Heute unvorstellbar!
Nachtrag: ich habe den Text für den heutigen Tag von Microsoft Word Korrektur lesen lassen. Und zu meinem Erstaunen habe ich festgestellt, dass MS Word das Wort 'Belegtzeichen' auch nicht kennt und deshalb rot unterstrichen hat. Hätte ich nicht gedacht...
Noch ein Nachtrag: für was der Knopf rechts unten (auf dem grauen Telefon) war, weiß sogar ich nicht mehr. Vielleicht kann mir ein (noch älterer) Leser des Tagebuchs auf die Spünge helfen :-) Danke
Ich sitze auf meinem 'Chefsessel' und schaue auf die Uhr - es ist kurz vor 12:00 Uhr. Der Blick auf die Tageskarte des kleinen Restaurants um die Ecke zeigt mir: Heute gibt es Käsespätzle. Eigentlich ganz lecker - aber halt nur eigentlich. Denn ich verspüre keinen wirklichen Hunger. Es ist mehr zur Routine geworden - und die heißt: 12:00 Uhr : Nahrungsaufnahme! Meine Gedanken schweifen ab – und ich erinnere mich an meine Kindheit.
Mein Vater hatte einen kleinen Handwerkerbetrieb - er war Fliesenlegermeister. In dem Dorf aus dem ich komme und in den Dörfern rund herum war klar: wenn es für einen Fliesenleger etwas zu tun gab, dann holte man meinen Vater. In den Ferien und meist auch samstags (ja - damals war der Samstag zumindest noch ein halber Arbeitstag!) 'durfte' ich mit. Und weil die Dörfer nicht weit auseinander lagen, konnten wir meistens zum Essen nach Hause - zu Mama. Was für eine schöne Erinnerung!
Spätestens gegen 11:00 Uhr war es dann soweit. Ich bekam 'schrecklichen' Hunger. Und ich habe mir dann immer überlegt, was die Mama wohl gekocht hat. Das Knurren meines Magens kann ich mir noch genau vorstellen - und es kribbelt noch heute wenn ich daran denke. Zur Mittagszeit - und zuhause angekommen - atmete ich schon an der Haustüre tief ein - ich versuchte herauszufinden was wohl auf dem Herd stand. Meine Mama kochte hervorragend – aber ich muss trotzdem zugeben: das Essen war nicht immer nach meinem Geschmack. Aber mein großer Hunger machte mich weniger wählerisch. Es gab auch nicht jeden Tag Fleisch. Dafür aber war meine Freude umso größer, wenn es dann doch Spätzle, Soße und ein schönes Stück Fleisch gab. Und wie heute weiß ich noch, mit welchem Genuss ich dann gegessen habe – das war eine echte Freude und hatte jedes Mal etwas von einem Fest.
Und heute? Tja - heute schaue ich auf die Uhr - es geht ins Restaurant oder in die Kantine. Ich kann wählen zwischen mind. 10 Gerichten und - auch wenn es lecker schmeckt - es ist nicht so wie früher. Schade eigentlich - und irgendwie vermisse ich das.
Vor ca. 3 Jahren rief mich ein Mitarbeiter eines großen Telekommunikationsunternehmens aus München an. Er teilte mir mit, dass er aus einem Projekt noch zwei - für damalige Verhältnisse - riesengroße TFT-Displays (65") 'übrig' hätte und diese gerne verkaufen möchte. Mehrere Versuche die Displays selbst zu veräußern waren wohl gescheitert. Der Straßenpreis für so ein Gerät lag damals bei ca. 6.500 Euro - er hat mir die Teile für 2.000 Euro angeboten (die mussten wohl dringend weg). Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich zwar keine Interesse an einem Kauf hätte - mir aber vorstellen könnte, dass ich die Displays bei meinem nächsten Newsletter zu einem Preis von 5.500 Euro anbieten würde. Er zeigte sich erfreut und ich dachte so bei mir: »Nägele - Du hast nichts zu verlieren. Aber die Teile kauft sowieso kein Schwein«. So zumindest dachte ich...
Ich habe also den Newsletter fertig gemacht und verschickt. Und - wie es der Zufall so will, klingelte (keine 2 Stunden nach dem Versand) mein Telefon. Der Mann am anderen Ende teilte mir mit, dass er Interesse am Kauf hätte und ich habe ihm ein Angebot gemacht. 20 Minuten später hatte ich die Bestellung auf dem Tisch. Bis hierher eigentlich nichts Ungewöhnliches. Bis hierher. Aber jetzt passen Sie mal Achtung :-).
Ich greife also zum Hörer, rufe den Verkäufer an und teile ihm mit, dass ich 'seine' Displays verkauft habe. Die Bestellung legte ich ihm auch aufs Fax. Er fragte mich noch nach der Lieferadresse, damit er den Versand veranlassen könne. Ich hab ihm dann gesagt (ungelogen und wortwörtlich): »Herr G... - stehen Sie bitte von Ihrem Stuhl auf, gehen Sie aus dem Zimmer und dann zwei Türen weiter. Dort fragen Sie einfach nach Ihrem Kollegen Herr L... und da können Sie die Monitore auch hin liefern«. Ja - ein Kollege von dem Verkäufer hatte die Displays tatsächlich erworben :-). Ich habe flugs die Rechnung über 11.500 Euro geschrieben (natürlich habe ich den Versand extra mit jeweils 250 Euro berechnet) - eine Rechnung über 4.000 Euro erhalten und sonst hatte ich NICHTS mit der Sache zu tun.
Das nenne ich mal ein 'echtes' Insidergeschäft! Im Nachhinein habe ich erfahren, dass die beiden sogar eine Fahrgemeinschaft hatten und quasi JEDEN Tag miteinander zur Arbeit gefahren sind. Keine Ahnung über was die da gesprochen haben - aber sicher nicht über ihre Arbeit. Warum auch? Und wenn ich so darüber nachdenke, dann kommt es mir wieder in den Sinn: Großkonzerne sind manchmal schon eine feine Sache. Aber halt nur manchmal ;-)
Nun ist es schon über ein halbes Jahr her, dass ich mein iPhone 'kastriert' habe (siehe Einträge vom 27.04. und 03.05.2011). Ich bekomme keine Mails mehr auf das Gerät. Und jetzt kann ich getrost sagen, dass ich immer noch lebe - dass die Firma keinen Schaden genommen hat und - es geht mir sehr gut. Ich muss nicht mehr ständig auf das Display starren und ich fühle mich freier.
Und letzte Woche bin sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Ich habe meine iPhones 3GS und 4 an meine Kinder weitergegeben und - ich habe mir das unglaublich schöne 'Ur-iPhone' gekauft - das iPhone 2 (das ist das Gerät mit dem Aluminiumrückteil). Das war noch originalverpackt - ich habe es durch Zufall im Internet gefunden. Und nun bin ich nicht mehr einer von vielen. Mein Sohn hat mir zwar erklärt, dass ich damit maximal telefonieren und SMSen kann. Aber genau das ist es was ich in meinem Alter brauche ;-)
Doch das Allerbeste daran ist: kaum jemand kennt das Teil noch - vor fünf Jahren konnte sich das kein Normalsterblicher leisten. Und wenn mich jetzt jemand fragt was das für ein iPhone ist, dann sage ich mit leicht gedämpfter und geheimnisvoller Stimme: »Das ist ein Prototyp vom neuen iPhone 5 - aber bitte nicht weitersagen«. Meist ernte ich ehrfurchtsvolle Blicke und ein Nicken. So nach dem Motto: »ich halte dicht und kann das Geheimnis für mich behalten«. Wie süß :-)
Und so sieht es aus - ist es nicht wunderschön?
Einen erstaunlichen Anruf erhielt ich vor ca. 2 Jahren. Ein EDV-Mensch (wohl in einer etwas höheren Position - sein Name war Herr B...) war am anderen Ende der Leitung. Er rief von München aus an - aus dem Haus eines großen Versicherungskonzerns.
B..: »Grüß Gott Herr Nägele - ich möchte Ihnen gerne ein paar Terminals verkaufen«
ich: »Sie meinen wohl 'kaufen' - nicht 'verkaufen'. Oder?«
B..: »Nein - ich meine schon 'verkaufen'. Wir haben vor ca. 4 Jahren (in Worten VIER!) bei Ihnen 5 Terminalsysteme gekauft. Die sind nun originalverpackt und unbenutzt bei uns im Keller 'aufgetaucht'«
ich: »Warum waren die Terminals denn abgetaucht? - Wurden sie polizeilich gesucht?« (damit wollte ich meinem Erstaunen Ausdruck verleihen und ja - ich wollte auch ein bisschen witzig sein)
Während des Gesprächs hatte ich den Datensatz des Kunden aufgerufen und tatsächlich. Die Versicherung hatte ein paar Jahre zuvor 5 Terminals gekauft. Aber nicht von der Stange - sondern RICHTIG aufwändige (und deshalb auch teure) Systeme mit allem Schnickschnack (WebCam, Kartenleser, spezieller Drucker und viele Dinge mehr). Und ich konnte mich auch noch an den Auftrag erinnern. Wir haben uns echt total verausgabt, denn die Terminals mussten damals GANZ SCHNELL geliefert werden, weil der Kunde sie UNBEDINGT brauchte.
Und jetzt wusste ich auch warum. Die brauchten die Geräte, um den freigewordenen Platz in ihrem Keller damit zu bestücken. Und dieser wichtige Einsatzzweck leuchtete mir dann auch sofort ein :-). Nun also wollte der Herr B..., dass ich die Terminals wieder zurückkaufe. Wahrscheinlich brauchte er den Platz im Keller für neue Lagerware.
B..: »Ich würde Ihnen die Geräte für 70% des damaligen Preises überlassen« (An seiner Stimme konnte ich hören, dass er das ernst meinte und er sich sicher war, dass ich das Angebot nicht ausschlagen kann).
ich: »Herr B... - ich will nicht unhöflich sein. Aber 4 Jahre sind in der EDV eine SEHR lange Zeit. Die Rechnersysteme sind veraltet und auch der Rest wird durch die (sicher artgerechte) Haltung in Ihrem Keller nicht wirklich besser. Außerdem handelt es sich bei den Terminals um Sonderentwicklungen für Ihr Haus. Damit kann kein anderer Kunde wirklich etwas anfangen. Ich gebe Ihnen 100 Euro pro Gerät und lasse die Teile kostenneutral für Sie abholen. Dann entstehen Ihnen keine weiteren Kosten für die Entsorgung«
Von da an kippte die Aussprache meines Gesprächspartners ins bayrische und wurde derber. Ich meine das Wort "Halsabschneider" gehört zu haben. Aber das war mir egal :-). Zum Schluss sagte er noch etwas von "nie mehr einen Auftrag von uns" - und dann legte er auch schon auf.
Telefon: »Tuuuut - tuuuut - tuuuut«
Das Schöne an so großen Unternehmen ist aber, dass die Menschen ihre Position sehr schnell wechseln und auch sehr schnell vergessen. Wir haben inzwischen weitere Aufträge bekommen. Ich gehe aber fest davon aus, dass die Teile noch immer im Keller stehen.
Große Projekte bei großen Konzernen haben ihre eigenen Regeln. So auch ein Projekt mit einem großen deutschen Telekommunikationsunternehmen. Es ging um viele viele (also wirklich VIELE) TFT-Displays, die in einzelnen Niederlassungen installiert werden sollten. Aus einem mir nicht wirklich ersichtlichen Grund musste das TFT-Display in sämtliche Einzelkomponenten aufgeteilt - also quasi (fast) jede Schraube separat bepreist werden. Das ganze mündete schließlich in einer grotesken Preisverschieberei. Irgendwie hatte das wohl mit einzelnen Kostenstellen und der Übernahme der jeweiligen Kosten zu tun. Ich vermute jedoch, dass es (mal wieder) um einen internen Machtkampf ging.
Zum Schluss - aber auch schon im Verlauf des Projekts - hatten alle (aber wirklich ALLE!) Beteiligten den Überblick verloren und die Preisgestaltung widersprach JEDER Logik (und auch dem gesunden Menschenverstand :-). Denn wir hatten z.B. beim Display - bei einem Verkaufspreis von ca. 250 Euro - einen Deckungsbeitrag von schlappen 5 Euro. Beim VGA-Kabel hingegen hatten wir einen unglaublichen Deckungsbeitrag von 2000% (in Worten ZWEITAUSEND! Prozent). D.h. wir haben ein Kabel für weniger als einen Euro eingekauft und für knapp 20! Euro wieder verkauft.
Mir machte das Angst - aber ich hatte keine Wahl - denn so waren die Regeln. Und als junger Unternehmer (das Ganze ist schon ein paar Jahre her) schluckt man so manche Kröte. Aber ich wusste auch, dass es NIEMALS passieren darf, dass nur TFT-Displays bei uns bestellt werden. Und dann kam es doch so - der Kunde bestellte (Achtung - halten Sie sich fest) 1.000! Stk. VGA-Kabel. Mir wurde ganz übel und ich dachte noch bei mir: "die haben sie nicht alle". Heute weiß ich es genau - die hatten wirklich nicht alle :-).
Aber meine christliche Erziehung zeigte Wirkung - ich bekam ein schlechtes Gewissen. Also habe ich zum Hörer gegriffen und den Einkäufer (ein gewisser Herr G...) angerufen. Das Gespräch lief in etwa so ab (Gedächtnisprotokoll!):
ich: »Hallo Herr G... - ich habe hier eine Bestellung von Ihnen, die kann ich so nicht ausführen«
G..: »Warum nicht?«
ich: »Na weil der Preis viel zu hoch ist - ich kann ihnen nicht ein einfaches Kabel für 20 Euro verkaufen. Könnt ihr nicht die Kabel woanders kaufen - da sind sie viel günstiger?«
G..: »Nein - das geht nicht. Das Gesamtsystem ist mit Ihren Kabeln getestet. Ein anderer Lieferant müsste erst von uns zertifiziert werden«
ich: »Ja - aber ich habe ein schlechtes Gewissen. Wir sollten den Preis für die VGA-Kabel noch mal besprechen weil... (Herr G... fällt mir barsch ins Wort)«
G..: »Jetzt passen Sie mal auf Nägele - wenn ich den Preis in meinem SAP-System ändern will, dann brauche ich 4 (in Worten VIER!) Unterschriften - und das dauert mindestens 6 Wochen. Also zicken Sie nicht rum und liefern Sie die VGA-Kabel wie vereinbart. Sonst war das der letzter Auftrag von uns« (Herr G... knallt den Hörer auf das Telefon).
Telefon: »Tuuuut - tuuuut - tuuuut«
Mein schlechtes Gewissen war mit einem Schlag weg. Wir haben die Kabel geliefert. Und ich dachte noch bei mir: "Schon eine geile Software - dieses SAP". Herr G... ist inzwischen entlassen worden (irgendwelche Unregelmäßigkeiten - welcher Art auch immer). Kann ich mir gar nicht vorstellen. Unregelmäßigkeiten trotz SAP? :-)
Wir hatten eine Anfrage von einem großen Konzern. Wir sollten VIELE Terminals liefern. Aber - die Sache hatte mehrere Haken (oder müsste das 'Häken' heißen? :-). Und die waren in einem fast 100-seitigen Vertragswerk des Konzerneinkaufs aufgelistet - dem "Rahmenvertrag zur IT-Beschaffung". Aus meiner Sicht hätte man den Rahmenvertrag in einem Satz zusammenfassen können. Der Satz würde dann in etwa so lauten: "Wir kaufen etwas bei einem Lieferanten - der Lieferant ist immer schuld wenn was nicht funktioniert - die Garantiezeit beträgt 150 Jahre - und überhaupt ist der Lieferant mit Leistung der Unterschrift rechtelos - aber pflichtenbeladen - und bezahlt wird frühestens in 6 Monaten".
In einem (wesentlichen) Punkt konnten wir uns aber - zumindest teilweise - dursetzen: Denn in Anlage 3 auf Seite 78/VI-454 - Abschnitt IIXB - Unterabschnitt 4712-A04 - Nr. 1.1.2.3.4.5.6.99ff in der Version vom 29.08.2010 stand unter der der Überschrift: "Code of Conduct" der folgende (wunderschöne) Satz: "Jegliche Formen von Zwang sind verboten. Die Anwendung von körperlichen Strafen, nötigenden mentalen oder physischen Zwangs sowie Beleidungen und Beschimpfungen sind verboten!"
Was ein Mist. Damit wurde unsere bis dahin gelebte Firmenphilosophie ad absurdum geführt. All das machen wir täglich - und somit konnten wir nicht unterschreiben. Wir haben beim Kunden also folgenden Kompromissvorschlag eingereicht (und wer mich kennt der weiß - das ist KEIN Witz!): "Wir werden die bisher übliche öffentliche Prügelstrafe für ungehorsame Mitarbeiter/innen vorübergehend aussetzen. Und beleidigt wird bei uns sowieso nur der Chef".
Und was soll ich sagen? Wir haben den Auftrag bekommen! Ich weiß aber was zu tun ist sobald der Auftrag abgeschlossen ist :-)
Diese Frage darf eigentlich nur einer stellen: SWR3-Moderator Kristian Thees. Und die Frage geht an Anke Engelke. Das ist Kult.
Aber auch ich habe einen Freund, der mir ab und zu diese Frage stellt. Er ist Geschäftsführer eines Konkurrenzunternehmens. Wir haben uns erst einmal gesehen - das war vor ca. 10 Jahren auf einer Messe. Aber wir telefonieren regelmäßig miteinander. Und dabei geht es wahrlich nicht nur um das Geschäft. Rafael - so heißt der Kollege - ist mehr als nur ein Mitbewerber. Er ist ein echt feiner Kerl und ich rede gerne mit ihm.
Telefon: »Ring Ring«
ich: »Hallo Rafael«
Rafael: »Hallo Frank«. Pause. »Du, ich würde Dich gerne zu meinem Geburtstag einladen. Du kannst gerne mit Begleitung kommen. Welche Anforderungen stellst Du an die Übernachtung?«
ich: (will besonders witzig sein) »Deine Frau«
- kurze Pause -
Rafael: »Geht klar. Ich schick Dir eben noch ein Bild«
- E-Mail abrufen - Bild kommt -
ich: »Darf ich noch mal darüber nachdenken?«
Rafael: »Ja - mach das«
ich: »Ok - ich geb Dir dann Bescheid«
Rafael: »Bussi«
Telefon: »Tuuuut - tuuuut - tuuuut«
Vor vielen Jahren hatten wir Kinderterminals im Portfolio. Die Kinder konnten über einen Touchscreen verschiedene Spiele spielen - wie z.B. »Malen nach Zahlen«, »Memory« oder »Erkenne den Unterschied«. Zwei Banken aus den neuen Bundesländern (damals - kurz nach der Wende - durfte man das noch sagen) haben - unabhängig voneinander - jeweils eins dieser Geräte erworben. Der Einfachheit halber nennen ich sie »A-Bank« und »B-Bank«.
Eines Tages klingelte mein Telefon. Es war die A-Bank. Eine männliche Stimme sagte mir mit einem unüberhörbar sächsischem Dialekt: "Der Terminal stinkt". Ich frage nach: "Was macht das Terminal?". "Der Terminal stinkt", wiederholte die Stimme am anderen Ende der Leitung. Mir war sofort klar, dass wir für dieses Problem keine schnelle - und vor allem keine telefonische Lösung finden würden. Trotzdem frage ich höflich nach: "Kann es sein, dass sich eine Maus (die inzwischen vielleicht verstorben ist) in das Terminal eingenistet hat?". "Nein", war die Antwort, "Der Terminal stinkt, als ob er demnächst in die Luft geht". Spätestens jetzt wurde mir die Sache zu heiß. Als ehemaliger Polizist lief bei mir sofort die Routine für potentielle Bombenfunde ab. Ich habe gesagt: "Fassen Sie nichts an - wir holen das Terminal sofort ab!"
Fast zeitglich - ein Anruf von der B-Bank. "Der Terminal malt ögger", piepste eine weibliche Stimme, "Immer wenn man auf den lila Farbeimer toucht, dann malt der Terminal ögger". Es ging offensichtlich um das »Malen nach Zahlen«. Dort konnte man ein Bild mit dem Finger ausmalen. Und bevor man z.B. das Dach des Hauses ausmalte, wählte man mit dem Finger den roten Farbtopf. Und hier muss es wohl so gewesen sein, dass der lila Farbtopf die falsche Farbe in sich trug. "Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen - und was um alles in der Welt ist ögger?". Irgendwann war mir klar: Gemeint war die Farbe Ocker (für alle die noch immer rätseln: Ocker sind Erdfarben). Auch für dieses Problem gab es keine schnelle Lösung. Denn ich hatte keine Idee, wie ich telefonisch die Farbe des lilanen Farbtopfes hätte tauschen sollen.
Also haben wir beide Terminals zurück geholt. Wir rochen und malten lila was das Zeug hielt. Aber weder stank das eine Terminal - noch malte das andere Ocker. Wir schickten die Terminals also zurück - und schon kurze Zeit später wiederholte sich das Ganze noch einmal. Laut Aussage der beiden Banken stank der eine Terminal - während der andere fröhlich »öggerte«. DREI MAL hatten wir die Geräte hier - und ich die Faxen dicke.
Mir war klar, dass wir die Terminals austauschen mussten. Ich rief also schweren Herzens bei den Banken an und ich bot den kostenlosen Austausch der Geräte an. Wohl wissend, dass uns das eine Menge Geld kosten würde. Zu meinem Techniker sage ich noch (mit Tränen in den Augen): "Herr Petermann - wir müssen die beiden Geräte austauschen". Und genau das hat er auch gemacht. Das Gerät von der A-Bank hat er zur B-Bank geschickt - das B-Bank-Terminal ging zur A-Bank. Und - Sie vermuten richtig: Wir haben nie wieder etwas gehört - und hatten für immer unsere Ruhe :-)
Mein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung wird nervös. Im Hintergrund höre ich sein Handy klingeln. "Entschuldigen Sie mich einen Moment - ich muss mal kurz an mein Handy", sagt er. Ich warte und höre wie er den anderen Anrufer begrüßt. Es vergeht eine Zeit - ich lege irgendwann auf. Weil ich genervt bin.
Einfach aufzulegen ist nicht die feine englische Art - das weiß ich wohl. Aber noch unhöflicher ist es, mit zwei Menschen gleichzeitig zu telefonieren. Und irgendwie muss ich meinem Gesprächspartner doch klar machen, dass mich seine Art der »Nichtwertschätzung« ärgert. Der Mensch ist nicht in der Lage, mehrere Dinge auf einmal zu erledigen. Das habe ich nicht nur gelesen - sondern auch bei mir festgestellt. Ich bin in der Beziehung eher ein Einzeller. Und ich bin dieser »Doppelbelastung« nicht gewachsen.
Um mich besser auf mein Gegenüber / meinen Gesprächspartner konzentrieren zu können, habe ich zwei Dinge bei mir geändert:
1) ich habe die Funktion »Anklopfen« bei meinem Büro-Telefon ausgeschaltet. Bei einem zweiten Anruf kommt das Belegtzeichen.
2) wenn ich im Büro bin, dann schalte ich mein Handy aus - bzw. den Flugmodus ein!
Jetzt muss ich nur noch lernen, dass ich während eines Telefonats keine Mails mehr lese. Denn das ist auch so eine blöde Angewohnheit von mir. Und immer wenn ich mich dabei ertappe, dann sage ich mir: "Hey Mr. Wichtig, Du tickst wohl nicht richtig"*. Und ich versuche mich GANZ auf meinen Gesprächspartner zu konzentrieren. Denn das erwarte ich auch von ihm - und darum darf er es auch von mir erwarten! Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Und mir tut es auch gut.
*ich will nicht den gleichen Fehler machen wie der Kollege zu Guttenberg. Also: die obige Textzeile stammt aus einem Lied der Gruppe Tick Tack Toe.
Budgets am Jahresende sind eine irrwitzige Sache. Wer sein Budget in diesem Jahr nicht ausschöpft – bekommt es im nächsten Jahr nicht mehr. Wer also spart wird bestraft. Dieses Prinzip habe ich nie wirklich verstanden und ich werde das wohl auch nie verstehen. Es handelt sicht hierbei definitiv um ein außerschwäbisches Prinzip. Aber – lesen Sie selbst:
"Wie viele Terminals bekommen wir für EUR 20.000,--?". Die Stimme am anderen Ende des Telefons klingt leicht gehetzt. "Keine Ahnung" sage ich, "es kommt darauf an welches Modell und welche Ausführung sie wollen". Dann wird der Mann am anderen Ende der Leitung deutlicher. "Wir brauchen die Rechnung noch heute – machen Sie uns ein Angebot über Terminals im Wert von EUR 20.000,--. Die Details und die genaue Anzahl klären wir dann im Juli des nächsten Jahres".
Wir schreiben also eine Auftragsbestätigung – und sofort auch die Rechnung an die uns benannte Adresse. Bereits am nächsten Tag kommt ein Scheck über den kompletten Rechnungsbetrag. Das war das letzte Lebenszeichen des Auftraggebers – ein Mitarbeiter eines großen Deutschen Automobilkonzerns. Wir haben NIE wieder etwas von ihm gehört. Das war vor inzwischen über 6 (in Worten: SECHS!) Jahren. Die bezahlten Geräte wurden NIE abgeholt. Und wir haben sie nie produziert. Warum auch?
Wir haben vor 3 Jahren ein Terminal verkauft. Normalerweise verlangen wir bei Erstkunden IMMER Vorkasse. Nur dieses eine Mal haben wir eine Ausnahme gemacht. Lieferung auf Rechnung. Warum weiß ich heute auch nicht mehr. Und es ist gehörig schief gegangen. Der Kunde hat nicht bezahlt - wir haben gemahnt. Dann hat der Kunde bezahlt. Zumindest einen ersten Teilbetrag. Nach langem hin und her wurden weitere Teilzahlungen vereinbart und teilweise auch erbracht. Irgendwann hatten wir dann ca. 50% der Gesamtforderung auf unserem Konto und mein Dulles meinte: "Das ist ein Erfolg". So dachte ich auch.
Nach fast 2 (in Worten ZWEI) Jahren kam ein Schreiben vom Insolvenzverwalter und er hat uns aufgefordert, die 50%-igeTeilzahlung wieder komplett an die inzwischen insolvente Firma zurückzuzahlen. "Was für ein Traumtänzer", habe ich zu meinem Dulles gesagt - und ich habe überheblich gelächelt. "Nein", hat mein Dulles mir dann erklärt, "so ganz unrecht hat der Insolvenzverwalter nicht".
Genau kann ich es nicht erklären - ich bin kein Jurist. Aber es ist in etwa so: Wenn ein Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten kommt (die sogenannte drohende Zahlungsunfähigkeit), dann darf es keine weiteren Zahlungen an einzelne Gläubiger leisten. Wenn es das trotzdem tut, dann ist das eine Bevorzugung von einzelnen Gläubigern. Und das darf nicht sein. Denn durch eine Insolvenz sollen alle Gläubiger die gleiche Chance auf den - zumindest anteiligen Ausgleich - ihrer Forderungen haben. Wenn in der Situation also Zahlungen getätigt werden, dann kann der Insolvenzverwalter dieses Geld zurückfordern - und zwar noch ZIEMLICH lange!
Das Problem in unserem Fall war also, dass wir von der drohenden Zahlungsunfähigkeit des Kunden hätten wissen müssen (durch den schleppenden Zahlungsvorgang). Und weil wir das quasi wussten, hätten wir das Geld nicht annehmen dürfen! Hört sich komisch an - ist aber so.
Kurz: wir haben uns mit dem Insolvenzverwalter verständigt und einen Teilbetrag vom Teilbetrag zurückbezahlt. Lustig fand ich das nicht. Aber mein Dulles hat gesagt: "Wir können auch klagen - aber ein Restrisiko bleibt und es kostet noch mal Geld und vor allem - es kostet UNSER Geld". Recht hat er. Der Insolvenzverwalter hat es da leichter. Er prozessiert mit Steuergeldern. Er hat nichts zu verlieren. Unser Insolvenzrecht ist in manchen Teilen echt spannend.
Gestern war ich beim Elternabend. Einer meiner drei Söhne geht ins Schullandheim. Oh - wie ich diese Abende liebe. Wie wichtig sind doch alle Eltern heute. Früher war klar: wenn mein Sprössling schlecht ist, ist er ein fauler Hund. Heute liegt es an den unfähigen Lehrern, an zu großen Klassen oder an dem Schulsystem im Ganzen. Ich kann mich noch genau erinnern. Unsere Lehrer waren nicht immer die klügsten - unsere Klasse hatte 43! (in Worten dreiundvierzig) Schüler und bei uns gab es früher einen Teil von (und das meine ich nicht abwertend) »einfach strukturierten« Mitschülern. Das waren trotzdem oder gerade deshalb Pfundskerle und man konnte Pferde mit ihnen stehlen. Aber die finde ich heute nirgendwo mehr. Offensichtlich hat die Evolution diese Spezies ausradiert. Alle Kinder heute sind superhelle. Und ganz besonders immer die eigenen - die sind dann oft auch schon seit der Geburt an Eliteuniversitäten vorgemerkt :-)
Aber zurück zum Thema Schullandheim. Alle Eckpunkte waren geklärt und dann sagt die Lehrerin: "Ach noch was - Handys werden abends eingesammelt - und morgens wieder ausgeteilt". Ich dachte ich höre nicht richtig. Ich wende ein: "Warum überhaupt Handys?". Hätte ich nicht tun sollen. Denn ein Teil der Elternschaft wollte mich (zumindest verbal) lynchen. "Mein Sohn muss mich im Notfall erreichen können" quietscht eine Mutter fast hysterisch. "Was machen wir, wenn sich die Kinder verlaufen und keine Handys dabei haben?" - fragt leicht weinerlich eine andere Mama. "Stimmt" sage ich ironisch, "das habe ich gar nicht bedacht". Und ich füge hinzu: "Was haben wir früher eigentlich in solchen Situationen gemacht?". "Nun", fahre ich fort, "wir haben uns zusammengerauft - vielleicht auch mal geheult und gegenseitig geklopft - aber wir sind alle groß geworden". "Und außerdem hege ich den Verdacht, dass die Kinder nicht die Eltern, sondern die Eltern die Kinder erreichen wollen".
Da war vielleicht was los. Es kam zur Kampfabstimmung und - was soll ich sagen? Ich habe mich durchgesetzt :-). Aber seit gestern trage ich mich mit dem Gedanken, die Sicherheitsvorkehrungen an meinem Häusle zu überprüfen. Denn - ich habe mir nicht nur Freunde gemacht. Und mein Sohn hat es sicher morgen auch nicht leicht in der Schule. Aber da muss er durch. Er kennt ja seinen Papa.
Nachtrag: Es kam wie es kommen musste. Die Lehrerin ist eingeknickt - die Kinder haben die Handys doch mitnehmen dürfen. Ich wurde darüber natürlich NICHT informiert. Irgendwie haben die Erwachsenen heute einfach keinen Arsch mehr in der Hose. Obwohl ich beim Elternabend deutlich sehen konnte, dass genau das Gegenteil der Fall ist (sorry - aber das konnte ich mir in diesem Fall einfach nicht verkneifen).
Heute war ich bei einem Kunden und wie ich aus dem Auto aussteige, klingelt mein iPhone. Ich nehme den Anruf an – als mich plötzlich jemand an meiner Hose zupft. "Ist das ein iPhone4?", fragt mich eine Kinderstimme. Ich schaue mich um und blicke auf Gürtelhöhe in das Gesicht eines vielleicht 5-jährigen jungen Mannes. "Ja", sage ich. "Das ist ein iPhone4". Kurze Pause. "Mein Papa hat auch so ein iPhone4", sagt er dann. Am Gesichtsausdruck des Jungen meine ich einen gewissen Triumph zu erkennen. Wieder kurze Pause. Ich gehe in die Hocke. Unsere Augen sind jetzt auf gleicher Höhe, unsere Nasen berühren sich fast. Ich hole tief Luft – und mit großem Nachdruck höre ich mich folgenden Satz sagen: "Junger Mann – ich habe nicht nur EIN iPhone4 – sondern ich habe VIER! iPhones". Ein entsetzter Gesichtsausdruck bei meinem kleinen Gegenüber war die Folge! Der Junge dreht sich wortlos um und zieht ab. Ich glaube er hat geweint.
Das Siegeslächeln in meinem Gesicht hat mindestens zwei Stunden angehalten. Danach jedoch habe ich mich echt schlecht gefühlt. Aber es musste sein. Und – ich würde es wieder tun. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder x-Beliebige Papa ein iPhone4 hat? Für mich steht fest: Es war reine Notwehr!