1993 gründete Frank Nägele die Werkstation: Seine Bodenständigkeit sieht man den dort gefertigten Terminals nicht an, jedoch seine Arbeitsfreude.
Werkstation sei eine Kombination aus Werkstatt und Workstation – sprich Arbeitsplatz –, beschreibt Gründer und Geschäftsführer Frank Nägele die Idee, die hinter dem Namen seines Unternehmens steht. 1993 hat der 42-jährige Schwabe die Firma in Weindorf Mundelsheim am Neckar gegründet und fertigt seitdem Informationssysteme wie Terminals, Großdisplays und Stelen. „Grundsolide, handwerkliche Leistungen“ gepaart mit „hoch moderner Informationstechnik“ kennzeichnen die Produkte laut Frank Nägele. Heute sitzt die Werkstation im Industriegebiet von Besigheim, auf einem Gelände von gut eintausend Quadratmetern.
Sich mit Kioskterminals bereits vor 15 Jahren selbstständig zu machen, war damals keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr war das Thema digitale Werbe- und Informationssysteme noch weitgehend unbekannt: Bis auf Bankterminals kannte die breite Masse wenige solcher Kioske. Die notwendige Portion Wagemut machte den Diplom-Ingenieur – studiert hat er in Heilbronn Wirtschaftsingenieurwesen/ Produktionstechnik – jedoch bereits Anfang der Neunzigerjahre aus: „Ich liebe meine Arbeit, vor allem aber meine Produkte und Ideen. Daher wollte ich nie für jemand anderen arbeiten müssen“, begründet Frank Nägele seinen Entschluss.
Genug Mitstreiter hatte er schnell gefunden, in unmittelbarer Nähe: „Keiner unserer wichtigen Zulieferer und Partner sitzt mehr als zehn Kilometer von uns entfernt – das war schon immer so und wird auch so bleiben“, betont Frank Nägele. Eine Verlagerung in Billiglohnländer ist für die Werkstation kein Thema. „Wir leben davon, dass wir nicht nur besser, sondern vor allem auch schneller und flexibler sind als andere Hersteller. Und das wäre mit einer ausgelagerten Produktion in Tschechien oder gar in China und den damit verbundenen logistischen Herausforderungen nichtmachbar. Außerdem ist uns wichtig, alle Systeme vor Auslieferung noch einmal persönlich in Augenschein zu nehmen – wir identifizieren uns mit den Produkten.“
Wichtige Unternehmensentscheidungen fallen oft beim samstäglichen Frühstück: Dann trifft sich die Geschäftsführung der Werkstation bei Kaffee und schwäbischen Lyoner- Brötchen regelmäßig mit den Verantwortlichen aus der Produktion und den wichtigsten Zulieferern. Ungezwungen werden Verbesserungsvorschläge und neue Ideen entwickelt. „Und was wir am Samstag beim Frühstück besprochen haben, wird am Montag drauf umgesetzt“, beschreibt der Geschäftsführer das Vorgehen.
BMW, Mercedes, Eon und Douglas
Der Kundenstamm setzt sich auf der einen Seite aus Konzernen wie Airbus Industries, BMW, Daimler, Eon, T-Systems, Douglas, Reise Bank und Thyssen Krupp zusammen. Auf der anderen Seite sind Frank Nägele kleine und mittelständische Unternehmen wichtig: „Wir sind selbst ein relativ kleines Unternehmen. Deshalb liegen uns die Wünsche kleiner und mittlerer Kunden besonders am Herzen. Und Sonderbauten sind bei uns nicht nur bei Großserien, sondern in der Regel bereits ab der Stückzahl ‚eins’ möglich. Das von uns entwickelte, flexible Baukastensystem, auf dem alle Werkstation-Systeme beruhen, macht das möglich.“ Insgesamt wurden in den 15 Jahren Werkstation mehr als 10.000 Systeme installiert. „Und fast alle sind heute noch im Einsatz, da geht einfach fast nix kaputt“, freut sich der vierköpfige Familienvater.
Wie gut die Stelen, Großdisplays und Terminals durchdacht sind, zeigen die zahlreichen Patente: Es liegen mehr als 70 registrierte Schutzrechte beim Deutschen Patentamt München und beim Europäischen Harmonisierungsamt in Alicante, Spanien vor. Krönender Beweis dafür sind zudem einige Designpreise: Die mit einem Partnerunternehmen entwickelten Wegeleitsysteme auf der Basis der HD-View- Stele erhielten im Jahr 2007 den Red Dot Award und den IF communication design award. Der Geschäftsführer betont: „Ein besonderes Highlight war für die Werkstation die Auszeichnung mit dem ‚Deutschen Multi Media Award 2005’ für die Installation einer barrierefreien, behindertengerechten Terminallösung in der belgischen Stadt Kortrijk.“ Das Interesse an barrierefreien und behindertengerechten Lösungen ist dem Ingenieur ein grundsätzliches Anliegen, sodass er die Richtlinie BIMK 4712/04-A entwickelte. „Sie wird inzwischen von zahlreichen Behörden, Verbänden und anderen Institutionen als Arbeitsgrundlage eingesetzt“, beschreibt der Schwabe. Er hat mit seiner Richtlinie zur Barrierefreiheit Maßstäbe gesetzt und wurde deshalb im September von der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, MdB Karin Evers- Meyer, in den interministeriellen Arbeitsstab berufen.
Unternehmerischer Erfolg und soziales Engagement gehören für die Werkstation seit jeher eng zusammen. Die Produkte der Werkstation werden daher in enger Zusammenarbeit mit einem gemeinnützigen Verein christlicher Trägerschaft produziert, der sich die berufliche (Re-)Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen zum Ziel gesetzt hat. Dieser Verein ermöglicht Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt sonst keine Chance hätten, die Rückkehr in die Arbeitswelt. Auf die Qualität der Produkte wirkt sich ein solches Vorgehen nicht negativ aus, „im Gegenteil: Gerade unsere Qualität zeichnet uns im Vergleich zu vielen Mitbewerbern aus“, betont Frank Nägele.
Die Abenteuer eines Unternehmers
Nach einem gescheiterten Ausflug in die New Economy 1999 und der Gründung zur AG entschied sich Frank Nägele 2002, die Werkstation wieder zur GmbH zu machen und einen Kompagnon ins Boot zu holen: seinen ehemaligen Rechtsprofessor Prof. Dr. Joachim Löffler, der seitdem als geschäftsführender Gesellschafter in der wieder verselbstständigten Werkstation die Bereiche Finanzen, Organisation und Recht verantwortet. „Die Kombination ‚Nägele/Löffler’ ist ein echter Glücksfall für uns beide“, erklärt Frank Nägele. „Denn für mich bedeutet es, dass ich mich voll und ganz auf die Entwicklung und den Vertrieb konzentrieren kann – und mit Dr. Löffler habe ich einen Fachmann (und wichtigen Freund) im Rücken, der sich um den Rest kümmert“. Aber auch der Professor zieht seinen Nutzen aus dieser Zusammenarbeit. „Meine Erfahrungen als Unternehmer kann ich unmittelbar in meine Lehrtätigkeit als Professor für Wirtschaftsrecht und Unternehmensführung an der Hochschule Heilbronn einfließen lassen. Und meine Studenten wissen, dass der Dozent, der da vor ihnen steht, nicht nur von Unternehmensführung redet, sondern das alles selbst erlebt.“
Der Mut, nicht ganz alltägliche Mitarbeiter einzustellen, ist eines der Merkmale der Werkstation. Auf der anderen Seite spiegelt dieser Mut die Erwartung von Frank Nägele an seine Mitarbeiter wieder, über den Tellerrand hinauszuschauen. Bestes Beispiel sind er selbst, der früher Polizeibeamter bei der Bundespolizei war, und sein jetziger Mitinhaber, der vor seiner Hochschultätigkeit einige Jahre als Richter und Staatsanwalt arbeitete. So sehr Frank Nägele auf den Erfolg achtgeben muss, so sehr ist ihm der Spaß an der täglichen Arbeit wichtig.
„Irgendwann“, so Frank Nägele, „will ich alle meine Erlebnisse in ein Buch packen. Denn was ich in den 15 Jahren als Unternehmer erlebt habe, ist teilweise so skurril und unglaublich, dass es eigentlich festgehalten und erzählt werden muss.“ Und wer vorher die eine oder andere Geschichte erfahren möchte, muss nach Besigheim fahren – am besten an einem Samstag zum Frühstück.
fb - digital signage - Ausgabe 1.2008